„Ich koche jeden Tag“

Umkämpfter Wohnungsmarkt, Nebenjob, akademische Herausforderung: Sascha Bender* (22), Informatikstudent in Karlsruhe, berichtet über Büchergeld, Selbstauskunft beim Vermieter und wie er mit 100 Euro im Monat für Essen und Kleidung auskommt.
Studierende in Karlsruhe sehen sich laut dem aktuellem Immobilienmarktbericht mehr denn je der Gefahr steigender Mietpreise ausgesetzt. Wie halten sie sich finanziell über Wasser? Ein Wortlaut-Interview mit einem Studenten, der nur wenig Geld zum Leben hat.

Guten Tag Sascha, du studierst seit zweieinhalb Jahren Informatik am Karlsruher Institut für Technologie. Deine Eltern bezahlen deine Miete, für alle weiteren Kosten kommst du mit dem Geld auf, das du dir durch Geldgeschenke über die Jahre angespart hast. Kommst du finanziell noch gut über die Runden?

Momentan noch, aber ich werde für meinen Bachelor-Abschluss mindestens ein weiteres Jahr brauchen. Das heißt, dass ich bis dahin noch auskommen muss, da ich erst danach arbeiten gehen kann.

Warum erst dann? Kannst Du keinen Nebenjob annehmen?

Mein Problem ist, dass ich einfach keine Zeit für einen Nebenjob habe, da ich den ganzen Tag in der Uni bin und die Vorlesungen danach noch nachbereiten muss. Nach meinem Bachelor-Abschluss werde ich mehr Zeit haben und möchte dann arbeiten, da die finanzielle Unterstützung meiner Eltern in Höhe von 300 Euro monatlich wahrscheinlich nur bis dahin anhält.

Warum werden sie dich nach deinem Bachelor-Abschluss nicht weiter unterstützen?

Weil meine Eltern mir über die Jahre hinweg alles in allem ungefähr 12 000 Euro für das Studium bereitstellen. Für alle Kosten, die darüber liegen, muss ich selbst aufkommen.

 

Monatlich verfügbares Geld

Unterstützung der Eltern:       300 Euro

Erspartes:                             ca. 150 Euro

= ca. 450 Euro

Monatliche Fixkosten

Miete:                          300 Euro

Lebensmittel:                100 Euro

Semesterbeitrag:           140 Euro pro Semester

= ca. 423 Euro

 

Bei einem Blick auf deine monatlichen Ausgaben wird deutlich, dass du monatlich von 100 Euro lebst. Wie schaffst du das?

Ich koche jeden Tag zusammen mit meiner Freundin und wir kaufen dafür günstige Lebensmittel ein, das reicht dann für uns beide. Falls wir mal zusammen ausgehen sind das für uns zusätzliche Kosten.

Die Miete macht einen erheblichen Anteil deiner Ausgaben aus. Hast du keinen Anspruch auf Wohngeld?

Bisher habe ich nirgendwo die Information erhalten, dass mir tatsächlich Wohngeld zusteht.

Abgesehen von der Unterstützung deiner Eltern gibt es auch andere Möglichkeiten an Geld zu kommen. Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG), Büchergeld oder ein Studienkredit…

Mit BAföG ist das so eine Sache. Seitdem mein Bruder sein eigenes Geld verdient, wurde mir die monatliche Unterstützung in Höhe von 140 Euro gestrichen. Die zuständige Behörde ist der Ansicht, dass meine Eltern nun genug Geld haben, um mich ausreichend finanziell zu unterstützen.

Für Büchergeld muss man sich bei Stiftungen oder Förderwerken bewerben, nur sehr wenige bekommen diesen Gutschein. Für mich ist das aber auch kein Thema, da ich alles was ich brauche, auch in der Bibliothek finde.

Und über einen Kredit habe ich noch nie ernsthaft nachgedacht. Es ist mein Ziel, selbst für meine Finanzen aufzukommen, wenn mir meine Eltern nicht mehr weiterhelfen können.

Seit Beginn dieses Jahres beträgt der Regelsatz für das Arbeitslosengeld II 409 Euro im Monat. Bist du im Hinblick darauf der Auffassung, dass der Staat zu wenig für Studierende leistet?

Das kommt auf den Einzelfall an. Für mich waren die besagten 140 Euro angemessen. Die Eltern meiner Freundin haben nicht so viel Geld, deshalb finde ich gut, dass sie dann monatlich mehr BAföG erhält, als ich bekommen habe. Wenn man sich aber nicht gut mit seinen Eltern versteht und diese keine finanzielle Unterstützung leisten, steht man mit leeren Händen da. Oder man muss mit dem Geld eines Nebenjobs auskommen. Insgesamt finde ich aber schon, dass der Staat genug für die Studierenden leistet.

Wenn man als Studierender mit wenig Geld auskommen muss, wo stößt man noch auf Schwierigkeiten?

Ganz klar bei der Wohnungssuche. Zu Beginn meiner Studienzeit habe ich in einem Studentenwohnheim gelebt. Als ich dort ausgezogen bin, um mit meiner Freundin zusammenzuziehen, kam es zu dem Problem, dass viele Leute, die bereits im Berufsleben waren, zahlungskräftiger waren. Dann hat man als Student schlechte Karten, eine Wohnung zu mieten. Man muss nämlich eine sogenannte ‘Selbstauskunft‘ beim Vermieter abgeben, erst danach bekommt man eine Rückmeldung.

Wie lange musstet ihr suchen, um eine passende und vor allem bezahlbare Wohnung zu finden?

Für unsere jetzige Wohnung wollten wir maximal 600 Euro ausgeben und haben dann nach passenden Wohnungen gesucht. Das hat ein Jahr gedauert.

Belastet es dich, dass du dir im Hinterkopf immer Gedanken darüber machen musst, wie du in Zukunft das nötige Geld zusammenbekommst, um deinen aktuellen Lebensstandard aufrechtzuerhalten?

Es ist mein Ziel, dass ich mir diese Gedanken nicht mehr machen muss. Aber dafür muss ich erst mein Studium abschließen. Dann kommen die Zeiten, in denen es mir finanziell besser geht. Aber bis dahin ist eben Durchhalten angesagt.

* Name von der Redaktion geändert

 
Studierende im Audimax des KITStudierende während einer Vorlesung im Audimax am Karlsruher Institut für Technologie. Foto: Karlsruher Institut für Technologie
 

 
Redaktion

 

 
Diesen Artikel...

 

 
Weitere Themen