„Im Stall zählt nur der Augenblick“

Stefanie Mayer, Studentin an der Universität der Bundeswehr, reitet seit 12 Jahren. Im Interview spricht sie darüber, wie Pferde Lebensfreude bereiten und man mit ihnen Stress abbaut.
Stefanie Mayer, 20 Jahre alt, genießt ihre Lebensqualität am Stall: „Hier kann ich den restlichen Tag hinter mir lassen.“

In Deutschland lebten im Jahr 2014 laut Statistischem Bundesamt rund 1,1 Millionen Pferde und Ponys. Damit hat sich die Pferdepopulation in Deutschland in den vergangenen 40 Jahren etwa vervierfacht. Hailey heißt das Pferd von Stefanie Mayer, Studentin an der Universität der Bundeswehr in München. Egal, ob man dem Pferd beim Grasen zusieht, mit ihm stundenlang ausreitet oder Zuneigung entgegenbringt – für Stefanie sind Pferde ein Garant für ihr Wohlbefinden.

Erzähl mal, wie kam es dazu, dass du dir ein Pferd gekauft hast?

Ich reite schon seit meinem achten Lebensjahr, zu Beginn in verschiedenen klassischen Reitschulen auf Schulpferden. Nach einigen Jahren habe ich auf einer Ranch auf das Westernreiten umgesattelt. Dort hatte ich auch für einige Jahre ein Pflegepferd und habe an seinem Beispiel erfahren können, wie es ist, für ein eigenes Pferd und sein Training verantwortlich zu sein. Als das Pferd dann umziehen musste, wollte ich nicht zurück zum Schulpferdereiten und habe mir kurzerhand meinen langen Wunsch nach einem eigenen Pferd erfüllt.

Welche Form von Beziehung habt ihr?

Viele „Nicht-Pferdemenschen“ machen den Fehler, von der Mensch-Pferd-Beziehung als Freundschaft zu denken. Ich sehe Hailey als Partner an. Ich respektiere sie und höre ihr zu, genauso wie sie das bei mir tun muss. Wir kommunizieren auf Augenhöhe – ich habe aber das letzte Wort. Das Pferd muss mich als; Herdenführer‘ ansehen und mir bedenkenlos folgen.

Wie kann an einem Pferd zuhören und was hat es einem mitzuteilen?

Die Kommunikation verläuft nicht immer reibungslos, manchmal steht man auch vor einer Sackgasse.

Also wie wir Menschen, wenn wir in einer Beziehung sind, richtig?

(Stefanie lacht.) In solchen Situationen muss man darauf achten, warum genau das Pferd nicht macht, was man von ihm möchte. Hat es Angst? Versteht es mich nicht? Kann es die geforderte Sache vielleicht noch gar nicht? Oder ist es einfach nur trotzig? Für all diese Sachen gibt es Anzeichen, mit denen das Tier kommuniziert, und die es zu deuten gilt.

Wenn Hailey zum Beispiel aus Angst vor einer wehenden Plane nicht an einer Stelle vorbeigehen möchte, ich ihr Verhalten aber als Trotz deute und sie dafür bestrafe, hat das das Gegenteil von dem zur Folge, was ich eigentlich erreichen möchte.

Wie stärkt ihr eure Bindung?

Die Arbeit mit dem Pferd fordert großes Vertrauen – auf beiden Seiten. Hailey muss mir vertrauen, um mir zu folgen, und ich muss ihr vertrauen, um die nötige Autorität dafür zu zeigen.

Und das funktioniert ohne Probleme?

Natürlich nicht von Beginn an. Gerade mit jungen Pferden muss da noch viel gearbeitet werden, weil sie auch noch viel in Frage stellen. Letztlich muss das Tier  verstehen, dass ich die Situation besser einschätzen kann als es selbst, und dass es mich deshalb bedenkenlos als ‚Herdenführer‘ akzeptieren kann. Dafür muss ich mich in ungewohnten und ‚gruseligen‘ Situationen beweisen oder auch mal klar und deutlich die Grenzen aufzeigen. Ist dies erreicht, macht die Beschäftigung mit dem Tier frei. Ich kann den restlichen Alltag hinter mir lassen, am Stall zählt nur der Augenblick. Das ist vor allem in der Klausurenphase ein Luxus.

Aber Pferde sind ein zeitintensives Hobby. Ist es nicht auch mit Stress und Verpflichtungen verbunden?

Das ist richtig. Ein Pferd ist kein Fahrrad, das man einfach eine Zeit lang stehen lassen kann. Es will beschäftigt und muss trainiert werden. Gerade das Training nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Das ist vergleichbar mit dem eigenen Muskelaufbau im Fitnessstudio, da darf man auch nicht einfach wochenlang aussetzen, wenn man ein bestimmtes Ziel erreichen möchte. Diese Prioritätensetzung stellt bei mir ein inneres Gleichgewicht her und steigert mein Wohlbefinden.

Empfiehlst du auch anderen den Umgang mit Pferden oder rätst du zu Alternativen?

Ich würde auf jeden Fall empfehlen, den Kontakt mit dem Pferd wenigstens mal auszuprobieren. Es ist schon oft vorgekommen, dass Leute, die noch nie etwas mit Pferden zu tun hatten, ganz begeistert von Hailey waren. Aber es muss jeder für sich selbst einen Ausgleich zum alltäglichen Stress finden.

 

Hier gibt es noch ein interessantes Video zum Thema Westernreiten.

Hier wird euch nochmal erklärt, was Westernreiten genau ist.

 
Hier zählt nur der Augenblick. Foto: Fabian Wahnbaeck
Hier zählt nur der Augenblick. Foto: Fabian Wahnbaeck
 

 
Redaktion

 

 
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