Bouncen - weiches Licht richtig einsetzen

Abgesehen von professionellem Kamera-Equipment mit einer Vollformat-Kamera oder einer 4K Videokamera gibt es einen besonderen Faktor, der den Unterschied zwischen „Gelegenheits-Fotograf“ und Experte macht: Licht. Damit ist nicht nur gemeint, das Motiv mit mehreren Leuchten auszuleuchten, sondern auch mit dem Licht zu arbeiten. Meist reicht dafür lediglich eine Lichtquelle. Dieser Beitrag soll Euch zeigen, wie man mit nur einer Lichtquelle und dem so genannten „Bouncen“ weiches Licht gekonnt einsetzen kann.

Bouncen

Licht zu bouncen bedeutet, Licht an einer Oberfläche auf das Motiv reflektieren zu lassen. Dabei strahlt das Blitzgerät oder eine andere Lichtquelle gegen einen Reflektor, der das Licht auf das Motiv reflektiert. Das Licht, welches das Blitzgerät erzeugt, ist  hart und gebündelt. Durch die Reflexion an einem Reflektor wie zum Beispiel einer weißen Wand oder an einer Decke, wird das Licht weicher und kann sich im Raum verteilen und verbreiten. Das ermöglicht eine deutlich bessere Ausleuchtung des Motivs. Dadurch können harte Schatten, die kaum Abstufungen aufweisen, vermieden werden.

Dafür gibt es so genannte Reflektoren in verschiedenen Formen. Häufig werden sogenannte Faltreflektoren verwendet, wie der Reflektor mit dem die Fotos in diesem Beitrag ausgeleuchtet wurden. Sie haben häufig eine weiße Seite und eine silberne oder goldene Seite. Die goldene Fläche reflektiert warmes Licht wohingegen die weiße und silberne Flächen kühles und natürliches Licht reflektiert.

Abbildung 1: Auf dem linken Foto wurde direktes Blitzlicht eingesetzt. Auf dem rechten Foto weiches reflektiertes Licht. Modell und Foto: Justin Schneider

Abbildung 1 zeigt den Unterschied zwischen direktem Blitzlicht und indirektem Blitzlicht. Auf dem linken Bild befindet sich das Blitzgerät auf der Kamera und beleuchtet das Modell direkt von vorne. Durch das harte Licht entstehen nur harte Schatten, wie an den Kragen des Hemdes und an den Wangen zu erkennen ist. Das Bild wirkt hart und starr. Auf dem rechten Foto der Abbildung 1 ist das Blitzgerät nach rechts gedreht und das Licht wird dort von einem Reflektor auf das Modell reflektiert. Die Schatten am Kragen sind jetzt viel weicher und selbst die Falte auf dem hellgrauen Shirt ist zu erkennen. Das Porträt wirkt durch das weiche Licht, welches nun mehr auf die linke Gesichtshälfte strahlt, lebendiger als zuvor.

 

Bouncen in Räumen

Aber um Licht zu bouncen benötigt man nicht dringend zusätzliches Equipment. Vor allem in Räumen kann es schon ausreichen, das Blitzgerät auf eine nahegelegene Wand oder auf die Decke zu richten. Diese Technik sollte man vor allem in Räumen anwenden, in denen viele Gegenstände stehen. Ein direkter Blitz würde viele Schatten erzeugen, die nicht gewollt sind. Hierbei sollte man aber stets auf die Farben der Wand oder der Decke achten. Das weiße Licht des Blitzgerätes „verfärbt“ sich, wenn es an einer andersfarbigen Wand reflektiert wird. Es käme gegebenenfalls zu einem Grünstich oder einem Gelbstich auf dem Foto. Ist kein Reflektor und auch keine weiße Wand oder Decke vorhanden, kann man auch ein Bettlaken oder sogar ein weißes Blatt Papier verwenden, um weiches indirektes Licht zu erzeugen.

 

Reflektor als zweite Lichtquelle

Abbildung 2: Auf dem rechten Foto wird nur eine LED-Leuchte verwendet. Beim linken Foto wird es durch einen Reflektor reflektiert. Foto und Modell: Justin Schneider

Durch „Bouncen“ kann man auch eine „zweite“ Lichtquelle erzeugen. Auf den Fotos in Abbildung 2 wurde lediglich eine Lichtquelle verwendet. Eine LED-Leuchte beleuchtet das Modell von rechts. Auf dem linken Foto erkennt man nur die rechte Gesichtshälfte und die Linke relativ schwach. Durch das Einsetzen eines Reflektors auf dem rechten Foto entsteht eine sozusagen  „zweite“ schwächere Lichtquelle. Das Foto zeigt mehr Details und die Kopfform wird nicht abgeschnitten. 

 

Bouncen im Freien

Abbildung 3: Auf dem linken Foto wurde kein Reflektor verwendet. Auf dem rechten Foto wurde ein Reflektor zum Ausleuchten des Gesichts verwendet. Modell. Sven Luber, Foto: Justin Schneider

Bouncen findet seine Anwendung auch draußen. Befindet man sich an einen Drehort, der im Schatten liegt, benötigt man nicht dringend eine Lichtquelle wie eine Leuchte oder gar Scheinwerfer. Es reicht aus, das vorhandene Tageslicht auf das Motiv zu reflektieren. Diese Technik funktioniert selbst bei trübem Wetter: Die Fotos auf der Abbildung 3 wurden am Vormittag in einem Hof aufgenommen. Es gab trotz klarem Himmel keine direkte Sonneneinstrahlung, die mit dem Reflektor hätte reflektiert werden könne. Dennoch reichte das vorhandene Licht aus, um das Modell von Links weiter auszuleuchten. Hierbei ist interessant, dass allein durch die Fassaden des Gebäudes und die Sonneneinstrahlung in den Hof weiches Licht erzeugt wird.

Es kann aber auch vor kommen, dass die Sonneneinstrahlung auf das Modell zu stark ist. Sonnenlicht bei klarem Himmel ist sehr hart und gerichtet. Um die Sonneneinstrahlung abzuschwächen kann man einen Reflektor über das Modell halten. Dabei wirkt der Reflektor wie ein Diffusor, der das Sonnenlicht weicher macht.

Um Licht zu bouncen muss man sich keinen Reflektor kaufen. Man kann sich einen Reflektor leicht selbst bauen. dazu benötigt man Karton in der gewünschten Größe, silberne, goldene oder weiße Folie und Klebeband. Dazu einfach die Folie auf den Karton kleben. Und schon hat man seinen eigenen individuellen Reflektor.

 

Grundsätzlich ist bei der Fotografie im Allgemeinen immer auf das Licht zu achten. Das Licht dient nicht nur zur Ausleuchtung eines Motivs, es kann auch zur Gestaltung eingesetzt werden. Weiches Licht, wie zum Beispiel durch einen Reflektor, bringt sowohl Schattierungen als auch Leben in das Foto. Die Art und Weise, wie es eingesetzt wird, entscheidet zwischen einem einfachen Schnappschuss und einer hochwertigen Fotografie. Ein Leitsatz, der bei Aufnahmen jeglicher Art zu beachten ist: Licht bewusst einsetzen.

 
Licht bouncen im Studio mit einer LED Leuchte und einem Faltreflektor. Bild: Justin Schneider
 

 
Redaktion

 

 
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