Corona-Krise stellt Automobilbranche auf die Probe

Kurzarbeit, Lieferprobleme und ein Rückgang der Nachfrage – die Auswirkungen des Corona-Virus sind auch für die deutsche Automobilbranche ein großes Problem. Doch wie steht es um einen der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes im Detail?

„Die Automobilindustrie hat derzeit eine beispiellose Herausforderung zu meistern“, so Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), in einer offiziellen Pressemitteilung. Die Schwierigkeiten, die sich durch die andauernde Pandemie ergeben, betreffen dabei nicht nur die knapp 833.000 direkt Beschäftigten im Fahrzeugbau, sondern wirken sich maßgeblich auf die gesamte Wirtschaft aus. Laut Statistischem Bundesamt ist die deutsche Automobil- und Automobilzulieferindustrie mit einem Gesamtumsatz von rund 436 Milliarden Euro im Jahr 2019 die umsatzstärkste Industrie im Branchenvergleich gewesen. Sie gilt als einer der größten Arbeitgeber der Bundesrepublik.

Daimler, BMW und Volkswagen bleiben nicht verschont

Neben zahlreichen Zulieferbetrieben, Händlern und benachbarten Industriezweigen machen die Auswirkungen des Virus auch den großen deutschen Automobilkonzernen Daimler, BMW und Volkswagen zu schaffen. Beim Umsatz-Vergleich in den aktuellen Quartalsberichten der drei größten Automobil-Hersteller, lässt sich feststellen, dass sowohl Daimler als auch Volkswagen Verluste von knapp 6 Prozent (Daimler) und 8 Prozent (Volkswagen) gegenüber dem Vorjahresquartal verzeichnen mussten.  Lediglich BMW konnte hier einen Anstieg von rund 3,5 Prozent erzielen.

Auch beim Blick auf die Konzern-Ergebnisse sieht man deutliche Einbrüche. Daimler beklagte in diesem Fall einen Einbruch von 92 Prozent verglichen mit dem ersten Quartal 2019. Bei Volkswagen war der Verlust mit ungefähr 83 Prozent entsprechend hoch. Auch hier ist BMW erneut das einzige Unternehmen, das einen Zuwachs von etwa fünf Prozent erreichen konnte. Von der Krise ist der bayrische Automobilkonzern aber trotzdem betroffen. Auch der Fahrzeugabsatz für das erste Quartal 2020 hat einen Einbruch von 24 Prozent gegenüber dem  Vorjahresquartal zu verzeichnen.

 

Die Absatzeinbrüche des ersten Quartals sind für die großen Drei der deutschen Automobilbranche besorgniserregend. Diese zeigen auch die Neuzulassungszahlen des Kraftfahrtbundesamts (KBA) und des VDA. Diese belegen, dass im ersten Quartal des Jahres 2020 insgesamt rund 20 Prozent weniger Fahrzeuge zugelassen wurden als im Vorjahr. Speziell im März – als in Deutschland die ersten Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus in Kraft traten– wurde mit 38 Prozent der höchste Rückgang auf dem Pkw-Markt innerhalb eines Monats seit der Wiedervereinigung Deutschlands verzeichnet.

 

 

Corona trifft die Branche inmitten eines historischen Umschwungs. Doch ob die Automobil- und Automobilzulieferindustrie einen Weg aus der Krise finden kann, ist Angesichts der Zahlen fraglich.  Derzeit diskutieren die Vertreter der Automobilbranche und der Politik über eine Kaufprämie für Neufahrzeuge. Bereits während der Finanz- und Wirtschaftskrise vor rund zehn Jahren, konnte dieselbe Idee - damals als sogenannte „Abwrackprämie“ - die Wirtschaft ankurbeln. Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) forderte im Rahmen eines branchenübergreifenden Konjunkturpakets ebenfalls eine Autokaufprämie. „Einen Niedergang der deutschen Automobilindustrie können wir uns schlichtweg nicht leisten“, erklärte BDI-Präsident Dieter Kempf gegenüber der Branchen- und Wirtschaftszeitung „Automobilwoche“ und betonte damit den hohen Stellenwert der Fahrzeugindustrie.

 

Die Corona-Pandemie ist nicht die erste Krise, welche die Automobilindustrie erschüttert.

 

Auch wenn mittlerweile bereits ein milliardenschweres Konjunkturpaket für die gesamte deutsche Wirtschaft auf den Weg gebracht wurde, bleibt die Kaufprämie für Neufahrzeuge mit Verbrennungsmotor aus. Stattdessen sollen lediglich die bestehenden Prämien für Elektroautos erhöht werden und so ein Anreiz für potenzielle Käufer geschaffen werden. „Der VDA bedauert, dass im beschlossenen Konjunkturpaket die Vorschläge der Automobilindustrie für einen breitangelegten und unmittelbar wirksamen Konjunkturimpuls nur zum Teil aufgenommen wurden", erklärte Verbandspräsidentin Müller in einem Statement zum Ergebnis des Koalitionsausschusses. Nichtsdestotrotz beinhalte das Paket ihrer Meinung nach auch richtige Maßnahmen wie beispielsweise die Senkung der Mehrwertsteuer, der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur sowie die Umsetzung der nationalen Wasserstoffstrategie.

 
 

 
Redaktion

 

 
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