Corona und die Münchener Luft

Reges Treiben bestimmt den Alltag in München. Rund 1,5 Mio. Menschen leben in der bayrischen Hauptstadt und bewegen sich in knapp 730 000 Kraftfahrzeugen fort (Stand 2019). Daraus folgen eine hohe Verkehrsbelastung, Staus auf den Ringen sowie Schadstoffausstoß. Wir wollen wissen: Ändert die andauernde Corona-Pandemie etwas an dem Verhalten der Menschen im Straßenverkehr? Verringert sich die Luftverschmutzung in München durch Maßnahmen wie Lockdowns und Ausgangssperren?

Die Stadt München setzt sich seit 2008 für saubere Luft innerhalb der Stadt ein. Die Einführung der „Umweltzone“ soll Kraftfahrzeuge mit erhöhtem Schadstoffausstoß aus der Stadt verbannen. Das System bewährt sich und die Verantwortlichen halten an dem Konzept fest. Seit dem 1. Oktober 2012 dürfen nur noch Fahrzeuge mit einer gültigen grünen Feinstaubplakette die Metropole befahren. „Mit der Abwicklung der Mobilität auf umweltfreundliche Art und Weise wird nachhaltig unser Klima und die Gesundheit unserer Stadtbevölkerung geschützt werden“, so Klima- und Umweltschutzreferentin Christine Kugler. Wer sich nicht dran hält und erwischt wird, muss mit Bußgeldern rechnen.

Da das Thema Umweltschutz immer mehr in den Fokus der Politik rückt, interessiert uns, wie in Zeiten der Pandemie mit diesem Thema umgegangen wird. Seit 2019 sind rund um München 44 Messstationen verteilt. Diese Messstationen erheben dauerhaft Daten zu Schadstoffbelastung der Luft. Wir haben uns mit den Werten des besonders gesundheitsschädlichen Stickstoffdioxid (NO2) beschäftigt. Die Stadt gibt einen Jahresmittelwert von 40 µg/m³ und einen 1-Stundenmittelwert von 200 µg/m³ vor. Das Einhalten dieser Grenzwerte gelingt jedoch nicht immer.               

„Deutlicher Rückgang der Stickdioxide“

Im Jahr 2019, vor Ausbruch des COVID-19 Virus, wurden die Messwerte gleich an drei Standorten, Ø 54,67 µg/m³ (Tegernseer Landstraße 150, Chiemgaustr. 140, Paul-Heyse-Str. 8), „deutlich“ überschritten. "Deutlich" heißt laut Legende der Landeshauptstadt, wenn Werte zwischen 50 und 60 µg/m³ gemessen werden. Dieser Messausschlag ist dem hohen Verkehrsaufkommen auf den vielbefahrenen Landstraßen, sowie der Nähe zum Münchener Hauptbahnhof geschuldet. Im Jahr 2020 wurden für diese Standorte keine weiteren Maßnahmen, beispielsweise Geschwindigkeitsbegrenzungen, zur Senkung des Schadstoffausstoßes erlassen. Trotzdem fiel der  Ø-Wert auf 45,67  µg/m³. Somit galt der Grenzwert nur noch als „leicht“ überschritten. Die Pandemie und die damit einhergehenden Verordnungen sorgen für ein geringeres Verkehrsaufkommen. Allein an diesen Messstellen wurden im Vergleich zum Vorjahr 16,46% weniger NO2-Emissionen verzeichnet. „Der deutliche Rückgang der Stickstoffdioxidbelastung im Jahr 2020 ist eine freudige Entwicklung.“, so Kugler.

Laut dem Landesamt für Umwelt treten Überschreitungen noch auf 6,1 Kilometer des Straßennetzes auf.
Doch bis 2023 sollen auch dort die Obergrenzen unterschritten werden, mit Ausnahme eines Abschnitts an der Landshuter Allee, wo die Einhaltung bis 2026 angenommen wird.

„Gute Nachrichten für das Jahr 2020"

Eine Entwicklung, die für die ganze Stadt gilt? Ein eindeutiges Ja! Bereits 2019 wurde der Grenzwert (40 µg/m³) im Durchschnitt von 35,95  µg/m³ unterschritten. „Dank“ der Pandemie, so grotesk es klingen mag, verzeichnet die Stadt einen  Ø-Wert von 29,33  µg/m³, eine Verringerung von 18,41 %. Das sind Prozentwerte, die die Jahre zuvor nie erreicht werden konnten.

"Es freut mich sehr, dass es auch gute Nachrichten für das Jahr 2020 gibt. An fast allen Messstandorten können wir nun die gesetzlichen Grenzwerte einhalten.“, kommentiert Oberbürgermeister Dieter Reiter die neusten Messergebnisse. Katrin Habenschaden, 2. Bürgermeisterin Münchens, mahnt jedoch zur Vorsicht: „Die Werte sind durch die Corona-Pandemie verzerrt, deshalb gibt es keinen Grund für Euphorie. Der Schlüssel zu einer nachhaltig guten Luftqualität in unserer Stadt ist die Verkehrswende."

Für die NO2 Werte des Jahres 2019 der einzelnen Bezirke Münchens klicken Sie hier

Für die NO2 Werte des Jahres 2020 der einzelnen Bezirke Münchens klicken Sie hier

Für die vergleichende Darstellung der einzelnen Bezirke Münchens klicken Sie hier

 

 
 

 
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