Der Bayerische Hof vermisst Lebendigkeit

Die Coronapandemie hat die Welt auch im Jahr 2021 noch fest im Griff. Weltweite Reisewarnungen und die Absage von allen nicht notwendigen Reisen ins In- und Ausland treffen vor allem eine Branche hart – das Hotel- und Gastgewerbe. Zahlreiche Gastronomien und Herbergen mussten vorübergehend schließen oder den Regelbetrieb stark einschränken. Unter anderem auch eines der traditionsreichsten Hotels in München – der Bayerische Hof.
Die beliebte Dachterrasse des Münchner Traditionshotels bleibt 2021 leer. Foto: Benjamin Monn

München. „Grundsätzlich teilen wir das oberste Ziel, die Fallzahlen der Pandemie möglichst gering zu halten, doch trifft besonders uns die aktuelle Situation extrem hart“, sagt Philipp Herdeg, Bereichsleiter für PR und Kommunikation des Hotels „Bayerischer Hof“.

Quelle: Bayerischer Hof, München, Stand März 2021

Derzeit seien etwa 85 Prozent der Mitarbeitenden in Kurzarbeit. Nur noch ein Kernteam aus Bereichsleitern, Stellvertretern und Abteilungsleitern befindet sich vor Ort. Die grundlegende Personalstruktur im Hotel wurde nicht verändert. Allerdings hat sich der Personalbestand verringert. Wo man vor der Pandemie noch auf etwa 700 Mitarbeitende setzen konnte, steht das Hotel (Stand März 2021) bei nur noch 600 Mitarbeitenden. 

Quelle: Bayerischer Hof, München, Stand März 2021

Besonders traurig sei die Situation laut Herdeg für die Jüngsten im Betrieb: „Wir haben Azubis, welche den Normalzustand überhaupt noch nicht kennengelernt haben, was bei unserem lebendigen Haus sehr schade ist. Trotzdem versuchen sie gute Stimmung zu verbreiten und überall mit anzupacken.“

 

Finanziell habe man derzeit noch alles im Griff: „Wir haben sorgsam gewirtschaftet, nie Schulden gemacht und jedes Jahr aus 25 Prozent vom Gewinn Rücklagen. Wir kommen noch zurecht, Gott sei Dank“, erklärt der Bereichsleiter. Doch auch ein Hotel wie der Bayerische Hof wird nicht ewig von seinen Rücklagen profitieren können. 

Quelle: Bayerischer Hof, München, Stand März 2021

Die Bundesregierung hatte dem Hotel schnelle und unbürokratische Hilfe versprochen. Die Realität sieht laut Herdeg aber anders aus: „Es gab seit März vergangenen Jahres rund ein halbes Dutzend Programme, von der Überbrückungshilfe 1 bis zur Novemberhilfe und der Novemberhilfe Plus, welche für uns das vielversprechendste Programm gewesen wäre. Allerdings war bis Dezember vergangenen Jahres nicht klar, ab wann es zumindest einmal Antragsformulare gibt und was alles von den angekündigten Umsatzkompensationen abgezogen wird.“ Im Rahmen der Überbrückungshilfe 3 im Januar erhielt das Hotel eine Fixkostenerstattung von 200 000 Euro. „Das hilft uns beispielsweise Kosten für angemietete Wohnheime und für Lagerräume zu tragen“, erklärt er.

Quelle: Bayerischer Hof, München, Stand März 2021

Die Universität der Bundeswehr verbindet mit dem Bayerischen Hof besonders die Münchner Sicherheitskonferenz. Jährlich unterstützen Studierende aus Neubiberg das Hotel bei deren Durchführung. Die diesjährige Konferenz konnte aufgrund der Pandemie nicht wie gewohnt stattfinden, sondern wurde zuletzt digital abgehalten. Die Absage für die Veranstaltung vor Ort sorgte bei den Mitarbeitenden für Enttäuschung. „Jedoch haben wir uns sehr gefreut, dass dennoch zumindest eine kleine Konferenz, in virtueller Form mit Herrn Ischinger auf der Bühne und den weiteren Sprechern rund um die Welt zugeschaltet, stattgefunden hat. Wir freuen uns, wenn die Münchner Sicherheitskonferenz zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr 2021 nachgeholt werden kann und wir bald alle Ehrengäste wieder live vor Ort in München begrüßen dürfen“, sagt der Bereichsleiter.

Für die Zukunft zeigt sich Herdeg allerdings optimistisch. Mit internationalen Gästen rechne er aufgrund der aktuellen Reiseeinschränkungen noch nicht. Das Hotel konzentriere sich stattdessen besonders auf Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Hier hofft man am ehesten auf Lockerungen für die Hotel- und Gastrobranche. „Wir werden noch gezielter als bisher auch Urlaubsreisende ansprechen. Städtereisen und somit auch Destinationen wie München sind sicherlich besonders attraktiv, da sie auch noch kurzfristig buchbar sind und es keiner langen Vorausplanung bedarf“, erklärt Herdeg.

Volle Bars und ausgelassene Stimmung? Fehlanzeige! Foto: Benjamin Monn

Eines ist dem Bereichsleiter allerdings bewusst: Der große Durchbruch für die Hotelbranche kommt erst, wenn ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist: „Wir gehen davon aus, dass die Bundesregierung bei der Einreise bald einen Impfnachweis oder entsprechenden Test verlangen wird. Für Gäste und Personal in unserem Hotel lehnen wir eine Impfpflicht grundsätzlich ab, solange zum Beispiel noch unklar ist, ob nicht auch geimpfte Menschen das Virus verbreiten können und nicht jeder die Chance hatte, sich impfen zu lassen.“ Bis das so weit ist, wird wohl noch etwas Zeit vergehen. Hilfszahlungen, erste Öffnungsschritte und „Übergangslösungen“ seien für die Existenz des Hotel sicherlich wichtig, doch sehne man sich laut Herdeg vor allem nach Menschen und Lebendigkeit, nach Musik und Bühne, nach Lachen, Essen und Trinken, sowie den vielen gemeinsamen Erlebnissen: „Das verbindet und macht uns stark“.

 

 
Die Corona-Pandemie trifft die Hotelbranche besonders hart. Foto: Jonas
 

 
Redaktion

 

 
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