Die Entdeckung des Geschmacks

Zu Gast bei einem Weinseminar
Die quälende Frage „Was esse ich heute?“ kennt sicher jeder von uns. Einer forsa-Befragung zum Thema „Wie ernährt sich Deutschland“ zufolge, achten dabei 99 Prozent der Deutschen darauf, dass es gut schmeckt. Doch wie gut sind wir eigentlich im Schmecken? Ein Beitrag über das Schmecken – zu Besuch bei einem Weinseminar.

Das wir ohne Essen und Trinken nicht können, darin sind wir uns alle einig und auch darin, dass es möglichst gut schmecken soll. So lässt es sich auch schwer bestreiten, dass es in dem vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in Auftrag gegebenen Ernährungsreport 2018 heißt, dass wir Deutschen am liebsten gut und gesund essen und trinken. Denn wer genießt nicht gerne bei strahlendem Sonnenschein im Biergarten ein Weizen oder nach einer Wandertour auf der Alm einen dampfenden Kaiserschmarren? Zwar wissen wir nicht immer genau, wie das alles funktioniert – das Zusammenspiel all unserer Sinne, in unserem Mundraum,  in der Nase ­– und dennoch kommen wir nicht drum herum, sie einzusetzen. Wie gut wir dabei sind, hängt davon ab, wie viel Zeit wir uns nehmen.  

Laut dem Ernährungsreport legen 49 Prozent der Bürger in Deutschland Wert auf eine schnelle und einfache Küche. Differenzierter betrachtet, legen die Bewohner von Großstädten mehr Wert darauf, ihr Essen schnell und einfach zuzubereiten als die Menschen in Kleinstädten. Ist nun schneller zubereiten auch gleichbedeutend mit schneller essen? Bedenke ich die Geschwindigkeit, mit der wir heute durchs Leben gehen -– zur Arbeit, in die Mittagspause eilen, wieder zurück an den Arbeitsplatz – dann bleibt nicht mehr viel Zeit, um unser Essen richtig und mit allen Sinnen zu genießen. Ich erwische mich selbst manchmal dabei, dass ich nur esse, um das Grummeln meines Magens zum Schweigen zu bringen.

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, habe ich ein Grundlagenweinseminar der Weinboutique Ehrliche Münchner besucht. Die Degustation und Dekomponierung  von Weinen, also das Prüfen und Probieren sowie die Zerlegung in seine Einzelteile, waren Bestandteil des Seminars und haben mir einen Einblick gegeben, wie wichtig es doch ist, sich für das richtige Schmecken Zeit zu nehmen. Denn um Geschmäcker und Aromen zu erkennen, bedarf es einem gut trainierten sensorischen Gedächtnis. Nehme ich mir also mehr Zeit für mein Essen, dann kann ich auch bewusster mit der Frage umgehen, was esse und was schmecke ich da eigentlich.

Genau das ist dem Seminarleiter Brendt Wucherer, Diplom-Sommerlier aus München, so wichtig und zum Mantra geworden. Auf die Frage nach einem Erfolgsrezept, die Schnelllebigkeit in unserer Gesellschaft zu durchbrechen, ist seine Antwort stets die gleiche: „mit Interesse“. Dass es so einfach sein kann, hätte ich nicht gedacht. Der Besuch bei ihm hat mir dies anschaulich gezeigt und noch einmal verdeutlicht, wie wichtig es ist, sich Zeit zu nehmen.

 
Die Entdeckung des Geschmacks
 
Zu Gast bei einem Weingrundlagenseminar. Foto: Philipp Michael
 

 
Redaktion

 

 
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Weinboutique Ehrliche Münchner
Ernährungsreport 2018 des BMEL