Die SEM München-Nordost

Eine konfliktsensitive Berichterstattung
Im Master-Wahlpflichtmodul "Kriegs- und Konfliktberichterstattung" bei Prof. Dr. Sonja Kretzschmar haben wir uns unter anderem mit dem aus den Niederlanden stammenden "Konstruktiven Journalismus" beschäftigt. In dieser journalistischen Herangehensweise sollen Konflikte möglichst sensitiv und konstruktiv beleucht werden. Für das Praxisprojekt haben wir nach einem Konflikt vor unserer Haustür gesucht und sind dabei auf den Stadtteil Daglfing im Nordosten von München gestoßen. Die Anwohner hier liegen seit Jahren im Clinch mit der Stadt. Warum und was dagegen getan werden könnte, darüber klärt dieser Beitrag auf.

Daglfing, ein eher ländlich geprägter Stadtteil am Rande der bayrischen Landeshauptstadt. Ein beschauliches und schönes Fleckchen Erde. Noch, denn die Stadt München plant anderes. Auf einer Fläche von rund 600 Hektar soll hier ein komplett neuer Stadtteil entstehen. Das Ziel: neuer Wohnraum für 10.000 bis 30.000 Menschen. Denn München wächst rasant und gerade bezahlbare Wohnungen werden immer knapper. Ein umstrittenes Projekt mit mittlerweile verhärteten Fronten. Auf der einen Seite die Stadt, die in der städtebaulichen Entwicklung Daglfings eine Notwendigkeit für das Allgemeinwohl sieht und auf der anderen Seite die Anwohner, die nicht nur für ihren Grund und Boden und ihre berufliche Zukunft kämpfen, sondern auch für den Erhalt ihrer Heimat.

Zusammen mit unserem Reporter Lennart Hegemann sind wir ins Krisengebiet nach Daglfing gefahren und haben mit den Kriterien des "Konstruktiven Journalismus" den Konflikt untersucht. Diese beinhalten: eine umfassende und ausgewogene Darstellung des Konflikts, das Streben nach Korrektheit und Wahrhaftigkeit, den Fokus dabei auf die Beteiligten und betroffenen Menschen zu richten und letztendlich die Konzentration auf konstruktive Bearbeitungs- und Lösungsansätze. Kurz gesagt, wir wollten möglichst lösungsorientiert recherchieren und jede Seite wertfrei zu Wort kommen lassen.

Vor Ort ist Lennart Hegemann der Sache auf den Grund gegangen: Das Damoklesschwert der Enteignung hängt über den Eigentümern und Landwirten in Daglfing, sollten sie sich weigern, ihren Grund und Boden an die Stadt zu veräußern. Aber wie weit darf die Stadt gehen, um dem Allgemeinwohl zu dienen? Und in wie weit sind die Anwohner überhaupt offen für einen neuen Stadtteil in "ihrem" Daglfing? 

Bei seiner Recherche stieß unser Reporter auch an die Grenzen des konstruktiven bzw. des konfliktsensitiven Journalismus. Im Videobeitrag über die Recherchearbeit seht Ihr warum.

 
Daniela Vogt, Sprecherin Bündnis NordOst, spricht über Folgen einer SEM für Daglfing.
Daniela Vogt, Sprecherin Bündnis NordOst, spricht über Folgen einer SEM für Daglfing.
 

 
Redaktion

 

 
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