Journalistisches Kolloquium

 
"Für mich ist es ein Traumberuf "

Reuters-Fotograf Kai Pfaffenbach über seinen Berufsalltag
Sein Leben gleicht fast dem eines Soldaten. Er ist jährlich drei bis vier Monate im Einsatz, getrennt von Familie und Heimat, reist in die Krisen- und Kriegsgebiete dieser Welt: Irak, Afghanistan, Türkei. Immer mit dabei: sein Fotoapparat! Aber auch bei politischen, sportlichen und anderen Großereignissen ist er in der Welt und Deutschland ständig mit seinem Equipment unterwegs.

Kai Pfaffenbach, Mitte Vierzig, arbeitet seit fast zwanzig Jahren als Fotojournalist bei der Nachrichtenagentur Reuters. Er berichtet nicht nur aus den Krisen- und Kriegsgebieten dieser Welt, sondern auch von internationalen Sportereignissen wie Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen. Im Journalistischen Kolloquium des Masterstudiengangs Management und Medien schilderte Kai Pfaffenbach Mitte Mai seine spannenden Einsätze als Agentur-Fotograf in der ganzen Welt. 

Wie bereitet man sich auf den Krieg vor? Bombenexplosion in Kobane (Syrien)

Bevor es für Pfaffenbach in die Kriegsgebiete ging, wurde er eine Woche lang in einem Kurs für Journalisten auf die Gefahren eines solchen Einsatzes vorbereitet. Während des Trainings hat Pfaffenbach auch eine umfangreiche Erste-Hilfe-Ausbildung erhalten, um im Ernstfall sich selbst, oder seine Kollegen, versorgen zu können. In Rollenspielen wurden Geiselnahmen so realistisch wie möglich nachgespielt. Für den Fotografen war die Ausbildung extrem: „Wichtig ist, dass du wach wirst.“ Darunter versteht er eine erhöhte Sensibilität für die Gefahren in Krisen- und Kriegsgebieten. Die Nachbereitung nach dem Einsatz ist für ihn genauso wichtig wie die Ausbildung davor. Deshalb besteht während und nach den Kriseneinsätzen eine enge Verbindung und Betreuung zwischen den Journalisten und der Nachrichtenagentur.

Als "Embedded-Journalist" im Kriegsgebiet

„Embedded-Journalists“ sind Journalisten, die im Krieg einer militärischen Einheit zugeordnet sind und eingebettet in diese Einheit die Kampfhandlungen verfolgen und darüber berichten. Für Kai Pfaffenbach war dies anfangs gar nicht so einfach, wie er sich erinnert. Er musste sich mit dem Embedment erst einmal arrangieren. Wochenlang lebte er auf engstem Raum mit Soldaten zusammen, knüpfte Freundschaften und musste trotzdem noch die journalistische Distanz bewahren. Trotz der Schwierigkeiten befürwortet Pfaffenbach ein Embedment. Durch die Support-Kette der Armee komme man in Bereiche, die man sonst nicht erreichen würde. Zu den Einsätzen in Kriegs- und Krisengebieten hat Pfaffenbach sich, genauso wie alle anderen Reuters-Journalisten, freiwillig gemeldet. Doch nicht nur im Ausland lauern Gefahren für den Pressefotografen.

„Das Schlimmste, was dir bei Demonstrationen passieren kann“

Brandanschlaf vor einer Frankfurter Polizeiwache

Brennende Autos, verletzte Polizisten, Straßenschlachten. Frankfurt im März 2015. Gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstranten sorgen tagelang für Aufruhr in der Metropole am Main. Kai Pfaffenbach ist mittendrin, um mit seiner Kamera alles zu dokumentieren. „Das Schlimmste, was dir bei einer Demonstration passieren kann, ist, eine Kamera dabei zu haben“, erzählt Pfaffenbach. Die Polizei ist gegen einen, die Demonstranten sind es ebenfalls. Nicht nur einmal wurde Pfaffenbach von Demonstranten bedroht. Ohne Helm und schwer entflammbare Kleidung geht der Fotograf selten auf eine Demonstration. Die Gefahr von Molotowcocktails oder fliegenden Steinen ist zu groß. Auch bei der Fußball-WM in Rio gehörten Helm und ABC-Maske zu seiner Ausrüstung. Man wisse nie, was passiert, sagt der Reuters-Fotograf.

Sportfotografie: „Man hat nur eine Chance“

Sportereignisse mögen weniger gefährlich sein als Kriegseinsätze, zurücklehnen kann Pfaffenbach sich dabei aber trotzdem nicht. Bei der Sportfotografie kommt es immer auf den richtigen Moment an, um ein gutes Bild zu schießen - und dieser Moment ist schnell vorbei. „Man hat nur eine Chance in der Sportfotografie“, erklärt er. Diese gelte es zu nutzen.

Der Konkurrenzdruck ist zudem groß unter den Sportfotografen. Bei internationalen Sportereignissen hat Pfaffenbach als Agentur-Fotograf jedoch einen Vorteil: Nachrichtenagenturen dürfen sich die besten Plätze aussuchen. Der Stressfaktor bei Sportereignissen hat im Laufe der Zeit zugenommen. Mussten Bilder früher erst in der Dunkelkammer entwickelt werden, können diese heute direkt vom Spielfeldrand in wenigen Sekunden an die Redaktion geschickt werden. Pro Fußballspiel entstehen so ca. 300 Bilder pro Fotograf.

World Press Award - Kategorie Sport

Foto: ©REUTERS/Pfaffenbach

In Rio schoss er das vermutlich bekannteste Foto der Olympischen Spiele 2016. Usain Bolt, der im 100-Meter-Halbfinale der Männer beim Zieleinlauf direkt in die Kamera lächelt. Der Bruchteil einer Sekunde und wieder hat Pfaffenbach im richtigen Moment auf den Auslöser gedrückt. Während er die Aufnahme schoss, wusste er allerdings noch nicht, ob das Bild gelungen ist oder nicht. Durch die hohe Belichtungsdauer hätte das Bild auch ebenso gut verschwommen sein können. Neben Können gehört manchmal eben auch ein bisschen Glück dazu. Für dieses Foto wurde er mit dem World Press Photo Award 2017 ausgezeichnet.  

Die Grenze zwischen Bildbearbeitung und -manipulation

Jedes Medienhaus und jede Agentur haben unterschiedliche Spielräume, inwieweit Bilder nach ihrer Aufnahme verändert werden dürfen. Bei Reuters sind diese Spielräume auf ein Minimum beschränkt. „Bei uns gilt der Grundsatz: Was du früher in der Dunkelkammer machen konntest ist heute erlaubt“, erläutert Pfaffenbach. Dazu gehört beispielsweise das Aufhellen von Bildern oder die Veränderung des Kontrasts. Inhaltliche Veränderungen dagegen seien ein No-Go.

Egal, ob Sport- oder Kriegsfotografie, die Anforderungen an ein gutes Foto sind gleich. Ein Foto sollte für sich sprechen, Emotionen wecken, eine Geschichte erzählen, so Pfaffenbach. Diese Geschichte kann mit nur einem Bild erzählt werden, aber auch mit einer Serie von Bildern.

Bleibt nur noch die Frage: Was ist besser? Eine Festanstellung in einer Agentur, oder doch lieber als freier Fotograf arbeiten? Pfaffenbach fällt die Antwort leicht: „Traumberuf ja oder nein – für mich persönlich ist es einer!“   

Fotos: Kai Pfaffenbach - Reuters

 
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