Vortrag im Journalistischen Kolloquium

 
Fake the world - "kinderleicht"

Franz Tomaschowski über Veränderungen von Wirklichkeit vor, während und nach einer Aufnahme
„Fälschung funktioniert nur, wenn man sie nicht erkennt.“ Daran glaubt Franz Tomaschowski, Professor an der Media Design Hochschule in München. Bei seinem Vortrag am 23. Mai an der Universität der Bundeswehr in München hat er über Möglichkeiten gesprochen, wie Bilder und Fotos manipuliert werden können. In der heutigen Zeit ist das einfacher denn je.

Für Franz Tomaschowski ist die Veränderung der Realität eine Ebene der Fälschung. Sie kann bereits vor der Aufnahme eines Bildes, zum Beispiel durch Inszenierung, verändert werden. Aber auch während der Aufnahme ist das kein Problem. Durch den Einsatz bestimmter Belichtungstechniken kann man jeden Moment sozusagen in „das richtige Licht rücken“. Während es den Fotografen vor Jahren noch nicht so einfach möglich war, Bilder nach ihrer Entstehung zu verändern, ist das heute durch diverse Bildbearbeitungsprogramme kinderleicht. Composing, also das Zusammenfügen mehrerer Bilder oder Bildausschnitte zu einem, ist eine beliebte Methode.

Fälschung ist nur dann eine Fälschung, wenn eine bewusste Täuschung vorliegt

Eine weitere Ebene der Fälschung ist für Tomaschowski das Spiel mit unserer Vorstellung: Nur der Fotograf selbst wisse, in welchem Zusammenhang ein Foto entstanden ist. Er alleine entscheide, welchen Bildausschnitt er davon veröffentlicht. Fehlt aber der Vorsatz nicht die Wahrheit zu verbreiten, so liege auch keine Manipulation vor, so der Professor.

Glauben oder nicht glauben?

Heutzutage wird es immer schwerer, die Echtheit von Fotos zu beweisen, denn jedes Foto oder Bild wirkt auf irgendeine Weise echt. Es liegt an jedem selbst, das Gesehene zu glauben oder eben nicht. Jeder hat seine subjektive Wahrheit und sieht das, was er sehen möchte.

Bild- oder Fotomanipulation zu erkennen, ist nicht immer einfach. Aber wenn man die Bilder oder Fotos aufmerksam anschaut, kann man sie erkennen. Manchmal anhand der nicht passenden geschichtlichen Einordnung oder an Fehlern in der Grafik. Irgendwie verraten sich Manipulationen oftmals selbst. Schließlich sind die Fotografen die Übersetzer ihrer Realität.

 
Professor Franz Tomaschowski bei seinem Vortrag (Foto: Schmiderer)
Professor Franz Tomaschowski bei seinem Vortrag (Foto: Schmiderer)
 

 
Redaktion

 

 
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