Fans, Fußball und Corona

Wie halten Fußballfans während der Pandemie ihrem Verein die Treue?
Der deutsche Profifußball leidet stark unter der Corona-Pandemie. Seit März 2020 können die Fans ihren Verein nur virtuell unterstützen, denn die Spieler kicken für den Ligabetrieb, Pokal und internationale Wettbewerbe vor leeren Zuschauerrängen. Dabei ist „der Fan“ maßgeblich an den Ergebnissen seines Vereins beteiligt. Doch wie engagiert sich der begeisterte Stadionbesucher in Zeiten wie diesen für den Lieblingsverein? Verliert er ihn aus den Augen oder fiebert er vor dem Fernseher mit Herzblut bei jedem Live-Spiel mit?

Wir haben eine Umfrage unter 140 Fußballfans aus verschiedenen Amateurvereinen und Fanclubs in München durchgeführt. Die Verteilung der Fans sieht wie folgt aus:

Die Fragen hatten die drei Traditionsvereine im Wirtschaftsraum München im Fokus: 
FC Bayern München – TSV 1860 München – SpVgg Unterhaching.
Darüber hinaus geben uns zwei Experten im Video Auskunft über ihre Sicht auf die aktuelle Lage: Der Fanbeauftragte des TSV 1860 München, Sebastian Weber und Marcel Reif, der als Fußballkommentator mit Kultstatus eine jahrzehntelange Expertise aufweisen kann und ganz genau weiß, wie es im Fußballbusiness abläuft.

Die leeren Plätze werfen ihre Schatten auf die sportliche Situation der SpVgg Unterhaching. Foto: Florian Arnold

 

Wie sieht die finanzielle Situation der Fans aus?

29,1% der Befragten gaben an, dass sie während der Pandemie mehr Geld zur freien Verfügung hätten. 44,8% sagen, dass sie keine Veränderungen diesbezüglich spürten. 
Hier sind die Zahlen aller Befragten verglichen mit den Angaben der Einwohner aus Bayern.

 

 

Wofür geben die Fans das gesparte Stadiongeld aus?

Die Umfrage zeigt, dass die Fans trotz Existenzängsten und Kurzarbeit eher mehr Geld zur Verfügung haben als vorher. Durch Ausgangsbeschränkungen und Lockdown hatten sie einfach weniger Gelegenheit Geld auszugeben. Was machen sie mit dem Plus auf dem Konto? Boomen die Liveübertragungen auf Streamingdiensten wie z.B. DAZN, Sky oder Magenta Sport, weil die Fans nun dort ihrem Verein die Daumen drücken? Oder verliert der Live-Fußball seine Bedeutung und man schaut ihn sich nur noch in der Zusammenfassung an? Bezahlt man mehr Geld für das aktuelle Merchandising, um seine Loyalität für den Verein auszudrücken oder spart man das Geld lieber, um sich einen Urlaub nach den Corona-Strapazen zu gönnen?

 

 

Deutlich wird, dass gerade die SpVgg Unterhaching und der TSV 1860 München mehr Zulauf bei den Streamingdiensten haben. Zwar ist die Fanbase kleiner, zeigt aber, dass die Vereinsliebe ungebrochen ist und man auch kein virtuelles Spiel verpassen möchte. Mit der „Löwenherz-Variante“ zeigt der TSV 1860 München, dass die Gelder der Dauerkarten dringend benötigt werden: Bei diesem Modell spenden Fans ihr Ticketgeld an den Verein. Auch Fan-Pappaufsteller- oder Sondertrikot- Aktionen anderer Vereine machen deutlich, dass ohne das Geld der Fans die Vereine in Schwierigkeiten kommen. Allerdings ergab unsere Umfrage, dass die Fans aktuell weniger Geld als vor Corona für Merchandising- Artikel ausgeben. Das Stadiongeld, das sie ansonsten für Ticket, Wurst und Bier ausgegeben haben, sparen sie oder investieren es in andere Dinge.

Der Fan darf die Spielkulisse aktuell nicht betreten. Foto: Florian Arnold

 

Findet der Fan den Weg zurück ins Stadion?

Die schwankenden Infektionszahlen schrecken die Fussballbegeisterten nicht ab: 52,2 % aller Befragten wollen unbedingt wieder ins Stadion, sobald dies zulässig ist. Die Sorge von Sebastian Weber, dass ein Stadionbesuch in Zukunft nicht zwingend nötig ist, teilen 10,4%. Die DFL (Deutsche Fußball Liga) hat derweil zusammen mit 20 renommierten Experten und Wissenschaftlern ein modulares Konzept mit Blick auf eine kontrollierte Rückkehr von Zuschauern entwickelt. Dieses sieht unter anderem vor, dass eine Teilnahme von Zuschauern unter strengen Hygiene- und Infektionsschutz- Maßnahmen wieder möglich wäre. (Quelle: dfl.de)
                                                                             

 

 

Der Fußball lebt vor allem von den Emotionen und der Leidenschaft der Fans. Denn diese machen ein normales Spiel erst zu einem wahrhaften Erlebnis für Spieler und Zuschauer. Fußball ohne Fans ist, um es mit Marcel Reifs Worten zu sagen, wie Trockenschwimmen.
Wie er und Sebastian Weber die aktuelle Situation einschätzen, seht Ihr in unserem Video.

 
 

 
Redaktion

 

 
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