Gastgewerbe ohne Gäste

Am 22. März 2021 jährte sich der Beginn des ersten Lockdowns in Deutschland. Gingen anfangs noch große Teile der Bevölkerung und auch einzelne Experten davon aus, dass es sich um einen kurzzeitigen Einschnitt in unser aller Leben handeln würde, zeigt das einjährige Jubiläum längst, dass das ein Trugschluss war. Millionen Menschen weltweit wurden infiziert, Hunderttausende starben. Inzwischen ist klar: Wir werden noch eine ganze Weile mit Corona leben müssen und lernen mit dem Virus zu leben. Die Auswirkungen dieses miteinander leben Lernens sind ganz unterschiedlich. Für große Teile der Bevölkerung ging es ins Homeoffice, Arbeiter der „ersten Linie“ standen ganz neuen Arbeitsbedingungen gegenüber. Nicht wenige verloren im Zuge der Pandemie ihre Arbeit.


Besonders hart trifft es auf der ganzen Welt den Tourismus-Sektor. Eine Branche die davon lebt, dass Menschen reisen, leidet besonders unter den Reiseverboten verschiedener Nationen oder wie in Deutschland auch den Einschränkungen von Binnenreisen. In München sank die Zahl der Ankünfte im Januar 2021 im Vergleich zum Vorjahresmonat um ganze 91,2 %. Von den jährlich rund 8,7 Millionen Ankünften in München kommen über die Hälfte aus Deutschland selbst, rund ein Viertel aus Europa.

 

Das hängt mit den großen Messen wie der IAA zusammen und der insgesamten Attraktivität des Wirtschaftsstandortes München. Den stärksten Einschnitt der Besuchszahlen in München verbuchte die Stadt im April letzten Jahres. Von 700.000 Personen im Jahr 2019 sank man hinab auf nicht einmal 30.000 Ankömmlinge, ein Minus von 95,8 %. Während in einer normalen Saison in den rund 470 Münchener Gastbetrieben über 50.000 der 88.000 Betten belegt sind, waren es am absoluten Tiefpunkt im Dezember 2020 lediglich 10.000. Grund dafür: Ab Ende August durften nur noch negativ getestete Personen in Hotels unterkommen. Auch wenn das umstrittene Beherbergungsverbot Ende Oktober wieder gekippt wurde, wiesen einige Bundesländer Touristen an im zweiten Lockdown Anfang November auszureisen.
„Als internationale Tourismusdestination ist Münchens Tourismuswirtschaft durch weltweite Reisebeschränkungen ganz besonders vom Ausbleiben der Gäste betroffen. Wie weitreichend die Effekte noch sein werden, hängt sehr stark vom weiteren Verlauf der Pandemie ab“, beschreibt Clemens Baumgärtner, Referent für Arbeit und Wirtschaft, im Münchner Jahreswirtschaftsbericht 2020 die Lage des Corona-Jahres.


Besonders geschmerzt hat München die Absage des weltweit größten Volksfestes: Das Oktoberfest. 2019 verzeichneten die Wiesn 6,3 Millionen Gäste. Rund 2 Millionen davon kamen von außerhalb. Gerade diese Gäste bedeuten für das Hotelgewerbe besonders viel Geld. 506 Millionen Euro um genau zu sein. So viel nimmt die Stadt lediglich durch Übernachtungen im Zusammenhang mit dem Oktoberfest ein. Der Gesamtwirtschaftswert des Beherbergungs- und Gaststättengewerbes lag 2019 bei insgesamt 3,58 Milliarden Euro. Der Deutsche Tourismusverband (DTV) geht bundesweit alleine für das erste Halbjahr 2020 von Umsatzeinbußen in Höhe von 35 Milliarden Euro aus.

 

Auch für werdende Arbeitsnehmer in München ist das Hotelgewerbe eine Perspektive. Die Ausbildung zum Hotelfachmann ist auf der Beliebtheitsrangliste der Ausbildungsberufe auf Rang neun, der Berufsweg der Hotelfachfrau sogar auf Rang fünf. Derzeit brauchen sich die jungen Leute keine Sorgen zu machen, dass es diese Stellen in der Zukunft nicht mehr geben wird. Die Anzahl von Insolvenzverfahren im Gastgewerbe stieg 2020 in München nur minimal. Lediglich ein Betrieb mehr als im Vorjahr meldete im Zuge von Corona 2020 Insolvenz an. Insgesamt stieg die Anzahl von Insolvenzverfahren von Unternehmen in München um 9,02 %. Die größten Anstiege entfielen dabei auf Information und Kommunikation, Verkehr und Lagerei, sowie das Baugewerbe.

Doch wie auch Clemens Baumgärtner im Jahreswirtschaftsbericht 2020 der Stadt München feststellt, sind diese Zahlen noch mit Vorsicht zu genießen.

„Die Entwicklungen [werden] einen deutlich anderen Verlauf nehmen, wobei im Moment noch niemand das Ausmaß der Rezession tatsächlich quantifizieren kann.“

Doch eins ist bereits klar: Die Münchener kämpfen für ihre Betriebe. Bereits im April 2020 fanden sich binnen kürzester Zeit über 1.000 Firmen auf dem digitalen Marktplatz muenchenhaeltzamm.de ein. Zusammen mit muenchen.travel wurden dort Gutscheinaktionen und Onlineevents, sowie Auskünfte organisiert.

Ob all das reicht und wann der Weg zurück in die Normalität beginnt bleibt noch abzuwarten. Auch ob es überhaupt eine Rückkehr geben wird oder ob die Pandemie die Hotelindustrie nicht vollkommen revolutionieren wird, ist noch nicht absehbar. Für über 400 Betriebe in München bleibt es ein Kampf um die eigene Existenz, egal ob Bayerischer Hof oder Fünfbettenhotel in Familienbesitz. Es gilt während dieser Krise weiterhin: Zusammen schaffen wir das und außerdem #muenchenhältzamm.

 

 

 
Hotel Westin Grand MünchenHotel WESTIN Grand in München
 

 
Redaktion

 

 
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