Arbeiten in der Corona-Krise

 
Hoffen auf Normalität

Bei Optiker Marcus Aschenbrenner und Eisdielenbesitzer Nicolas Pafundi ist seit der Corona-Pandemie alles anders. Die beiden Selbstständigen aus Bayern beantragten die Soforthilfe des Freistaates, um ihre Existenz zu sichern. Jetzt warten sie darauf, dass alles wieder normal wird.

Die Stühle und Tische in Nicolas Pafundis Eislokal sind leer. Kunden werden nur durch ein kleines Fenster bedient. Als er einem Gast ein Eis hinausreicht, zeigt sich das Lächeln in seinem ganzen Gesicht – trotz Mund- und Nasenschutz, den er nun täglich tragen muss. Endlich wieder Kundschaft! Nicolas Pafundi ist Eisverkäufer in Kleinwallstadt und hat die Soforthilfe des Freistaates Bayern in Anspruch genommen. „Den Mai hätte ich auf keinen Fall mehr überstanden“, sagt der Gastwirt. Zu diesem Zeitpunkt, so erinnert er sich, war ihm überhaupt nicht zum Lachen zumute.

Eisverkäufer Nicolas Pafundi bedient seinen langjährigen Kunden, der für Ihn ein Freund geworden ist.

Ganz ähnlich geht es auch Marcus Aschenbrenner, Eigentümer eines Optikergeschäfts in Vilsbiburg. Wie Pafundi beantragte auch er die Unterstützung – und war überrascht, dass er das Geld innerhalb weniger Tage auf dem Konto hatte. Die Geschäfte der beiden Selbstständigen sind zwei von 323.200 Betrieben in Bayern, deren Anträge auf Soforthilfe genehmigt wurden. Die Höhe der Gelder richtete sich individuell nach der Anzahl der Mitarbeiter. Pafundi arbeitet nur mit Aushilfen zusammen, Aschenbrenner hat hingegen vier Angestellte.

In der Eisdiele verlief das Ende der Corona-Zwangspause holprig: Weil ihm die Kundschaft ausblieb, schloss Pafundi von heute auf morgen sein Lokal wieder. Wann und ob er überhaupt wieder öffnen könne, war zu diesem Zeitpunkt ungewiss. Die 5000 Euro als Unterstützung waren somit dringend nötig.

Zwei Wochen später, als das Wetter besser wird, beginnt er wieder mit dem Verkauf, weil er auf die Einnahmen angewiesen ist. Und nicht nur darauf: „Mir hat der Kontakt mit meinen Kunden gefehlt und die Kommunikation am Tisch“, sagt er und blickt zu den leeren Stühlen und Tischen. Seine Gäste, so Pafundi, seien für ihn wie Freunde.

Optiker Marcus Aschenbrenner bekam 9000 Euro vom Freistaat zur Verfügung gestellt. Mit diesem Geld zahlte er die Gehälter seiner Mitarbeiter. Wie viele Kleinunternehmer fragt er sich: „Ob wir die Soforthilfe irgendwann zurückzahlen müssen?“ Vom Bundesministerium für Wirtschaft heißt es, dass die Soforthilfe „grundsätzlich nicht zurückbezahlt werden muss“.

Wenn der Optiker Marcus Aschenbrenner zurzeit eine Brille anpasst, kann der Sicherheitsabstand mit einem Kunden nicht eingehalten werden.

Das Geschäft des Optikers gilt als systemrelevant und konnte deshalb auch während des „Lockdowns“ geöffnet bleiben. Das gibt Aschenbrenner das Gefühl, auch in dieser schweren Situation für die Menschen da sein zu können, allen Schwierigkeiten zum Trotz. „Bei der Arbeit mit Kunden sind Plexiglasscheiben nicht umsetzbar, weil keine Brille durch eine Trennwand angepasst werden kann“, sagt er und schüttelt den Kopf. Das Tragen der Maske und das Desinfizieren erfordern ständige Aufmerksamkeit. Sicherheit ist für die Kunden elementar. Pafundi und Aschenbrenner müssen sich daher penibel um die Einhaltung der Hygiene-Vorschriften kümmern. Eine Herausforderung – doch sie macht die sozialen Kontakte umso wichtiger.

Als ein Stammkunde das Eislokal besucht, lädt Pafundi ihn auf einen Kaffee ein. Er erzählt ihm, dass er sich wünsche, dass auch seine älteren Freunde bald wieder zu ihm kommen, um ein Eis zu essen. So wie früher. Danach sehnt sich auch Pafundi: "Ich wünsche mir, dass alles wieder normal wird, dass die Menschen keine Angst mehr haben und zum Eisessen zu mir kommen, in Ruhe und ohne Stress."

Aschenbrenner schildert, dass die Arbeit angenehmer ist, wenn zusammen gelacht wird: „Gerade die Stammkunden kennen uns. Da ist immer Platz für einen Spaß.“ Die Freude an der Arbeit, insbesondere beim Umgang mit Kunden, lässt er sich trotz der vielen Vorschriften und Sicherheitsmaßnahmen nicht nehmen. Seine Motivation bekommt er zusätzlich von seiner Familie. Denn für die habe er seit dem Ausbruch des Virus nun wieder mehr Zeit. Zumindest was das betrifft, hat die Pandemie auch ihre guten Seiten. "Für die Kinder war es toll, dass ich nachmittags zuhause war: Mal einen halben Tag mit Papa verbringen. Das war für meine Frau dann schon eine Erleichterung."

 

 

 
Redaktion

 

 
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