X-media campus Kino

 
Inside dpa

Rechnerlüftungen, Tastaturtippen, Druckersound – was nach alltäglichen Bürogeräuschen klingt, ist das „Grundrauschen“ der Deutschen Presseagentur (dpa).
Ein Raum, Tische über Tische, Menschen, die auf Stühlen zwischen eben diesen hin und her fahren, ein stetiges, im Hintergrund wahrnehmbares Surren. Wer den Blick schweifen lässt, sieht bis zum Horizont ein einziges Büro, das Platz für bis zu 400 Menschen bietet. Wir befinden uns in der Zentrale der Deutschen Presseagentur in Berlin und Friedrich Rackwitz nimmt uns mit seinem Film „Grundrauschen“ mit.

Die Dokumentation des Film-Studenten der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) München ist der letzte Teil aus der X-media campus Kino-Reihe. Interessierte Studierende und Mitarbeiter der Universität trafen sich mit dem Regisseur und Autor Friedrich Rackwitz, um seinen Film zu sehen und anschließend zu diskutieren.

Die dpa ist eine der circa 150 Nachrichtenagenturen weltweit. Sie zählt zu den 17 unabhängigen Agenturen, die ohne Intervention von Seiten der Politik agieren. Die Agentur ist eine GmbH und setzt sich aus 182 Gesellschaftern aus der Medienbranche zusammen. Die dpa hat einen hohen Selbstanspruch: "Wir wollen nur über Ereignisse berichten, die wir mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört haben." Das dies nicht immer umsetzbar ist, ist verständlich. Doch zur bestmöglichen Realisierung greift die dpa auf ein großes in- und ausländisches Netzwerk in Form von Landeshäusern und Korrespondenten zurück.

Der Film ist ein Beispiel dafür, wie ein so bildschwaches Thema wie die Arbeit einer Nachrichtenagentur szenisch und informativ aufbereitet werden kann und das ohne Sprechertext - der Film trägt sich selbst. Er erzählt durch Beobachtung unterschiedlicher Charaktere und Funktionäre bei der dpa, wie deren Arbeit aussieht und wie „aus der Welt eine Nachricht wird und aus einer Nachricht die Welt“.

Durch ruhige Kamerabewegungen und statische Einstellungen wird die Hektik, die durch die Geräusche im Hintergrund entsteht, entschleunigt. Der Film bietet unter anderem Einblicke in verschiedene Ressorts, die Nachrichtenerstellung insgesamt und die Quellenprüfung im Speziellen. Die Arbeit unter den Kollegen wirkt intensiv, jeder verantwortet zwar seinen eigenen Arbeits- und Aufgabenbereich, steht aber den Kolleginnen und Kollegen stets für Fragen und Verbesserungsvorschläge bei Formulierungen zur Seite. So berichtet ein Journalist im Gespräch mit seinem Kollegen: „Wir müssen gucken, dass wir die Nachrichten kurz und präzise halten, damit unsere Kunden nicht mehr viel kürzen müssen.“


 

"Die dpa sagt von meinem Film, es sein ein Kunstfilm. Die Journalisten, die dort arbeiten, sagen jedoch, es liefe genauso ab", sagt Rackwitz.

(Foto: Privat)
(Foto: Privat)

Zudem wird aus den Unterhaltungen klar, wie sich die dpa in ihrer journalistischen Arbeit entwickelt und den Bedürfnissen ihrer Kunden anpasst hat. „Was wir früher in ganze Taschenbücher gegossen haben, ist nun gut aufbereitet: Der Einsatz von Spiegelstrichen macht es kundenfreundlicher“, berichtet ein erfahrener Politik-Journalist seinem Kollegen. Aber auch die Debatte, wann welche Informationen in welchem Umfang den Medienunternehmen zugespielt werden, ist ein Gesprächsthema.

Die Arbeit der Journalisten bei dpa, das macht der Film sehr deutlich, hat viel mit Absprachen und Telefonaten zu tun. Seien es die mehrfach täglichen Telefonkonferenzen zwischen den einzelnen Standorten über aktuelle Themen oder die Recherche und der Abgleich von zugespielten Informationen durch offizielle Stellen über das Telefon.

 

Zur Person:
Friedrich Rackwitz, Studium der Philosophie, Soziologie und Politikwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ab 2006 arbeitete Rackwitz bei Tangramfilm als Produktions- und Kameraassistent bis er 2009 das Studium der Regie im Bereich Dokumentarfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film in München begann. An der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe studierte er zudem Video-Kunst.

Bisher produzierte (Kurz-)Filme:
Minima Memoria
Monika geht
La vida terrenal
The Nosferatu Parable
Grundrauschen 

Einen klaren Bruch zum Trubel im Büro stellt die Arbeitsatmosphäre während der Frühschicht dar: Eine Reinigungskraft säubert die Arbeitsoberflächen. Ansonsten sitzt nur eine einzige Person verloren in dem Großraumbüro. Ein junger Mann mit Headset, den Blick konzentriert auf den PC-Monitor gerichtet, ins Gespräch vertieft und nebenbei tippend. Er nimmt die Geschehnisse der letzten Nacht auf, bereitet diese für die Tagschicht vor. So kann der Tag von Neuem beginnen.

Der Film zeigt die Art der Arbeit und die Herausforderungen, denen sich die dpa-Journalisten jeden Tag stellen, um ihren Kunden, in der Regel Redaktionen und Medienunternehmen, die Informationen bereitzustellen, die uns als Endverbraucher schließlich aufbereitet präsentiert werden.

Weitere Informationen zum Film und seiner Entstehung gibt es hier.

 

 
Frauke Ihnen-Beilhack (li.) moderierte die Diskussion. (Foto: Nadja Petrat)
Frauke Ihnen-Beilhack (li.) moderierte die Diskussion. (Foto: Nadja Petrat)
 

 
Redaktion

 

 
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