Corona im Wirtschaftsraum München

 
Münchens Gastronomiebranche in der Coronakrise

Dass die Tiefkühlpizza oder das bestellte Essen zu Hause auf dem Sofa nicht dasselbe Erlebnis bieten wie ein Restaurantbesuch, dürfte mittlerweile selbst den größten Restaurantkritikern bewusst geworden sein. Umso bedrückender scheinen die steigenden Infektionszahlen als Vorboten einer möglichen dritten Welle auf die Gastronomen in München zu wirken.
Seit nun einem Jahr verharren sie in einem perspektivlosen Raum zwischen Öffnung, Schließung und Ungewissheit. Auch jetzt angekündigte Stufenpläne zur Öffnung scheinen die Erwartungen der Gastronomie Münchens nicht gänzlich zu befriedigen. Aber was hat die allumfassende Coronakrise in einem Jahr angerichtet?
Marie-Lisa Gargiulo, Besitzerin des bekannten italienischen Restaurants „Bei Mario“ in München, findet es „klar, dass man etwas unternehmen muss“, allerdings habe man im November ganz deutlich gesehen, dass es nicht an den Restaurants läge. Sie bemängelt, dass ein langfristiges Konzept fehlen würde und man deshalb teilweise nicht wisse, wie es weitergehe. „Selbst im Amt hat einem keiner Antworten geben können“, außer den Abstandsregeln sei der Großteil der nach dem ersten Lockdown umgesetzten Hygienemaßnahmen aus Eigeninitiative heraus entstanden. „Nicht mal ein Viertel“ des normalen Umsatzes kann durch den angebotenen „to-go“ Service erwirtschaftet werden. Auch die kompletten Spesen für das „to-go“ Geschäft könnten nicht immer gedeckt werden, „wenn es gut läuft, kommt man auf null raus“. „Bei Mario“ biete diesen Service dennoch an, um mit den Gästen in Kontakt zu bleiben. Gottseidank habe man in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet, aber mittlerweile seien viele der Ersparnisse verbraucht. Von den versprochenen Hilfen kam teilweise bisher „noch gar nichts“, man habe Mitte Februar die Dezemberhilfen bekommen. Außer drei Mitarbeiter seien alle Mitarbeiter in Kurzarbeit, aber man habe im Vergleich zu anderen wenisgtens keinen entlassen müssen, zumindest bisher.   

 


Perspektivwechsel. Nicht nur die Restaurantbesitzer, sondern auch und vor allem die Mitarbeiter und Angestellten sind betroffen. Die Graphik und die Daten des Arbeitsamtes zeigen deutlich, was eigentlich schon allen klar war. Im Vergleich zum Jahr 2019 ergibt sich 2020 ein Mehr an Arbeitslosenzugängen pro Monat im Gastronomiegewerbe von bis zu 900 Neuzugängen im Monat April. Über 20.000 Mitarbeiter im Gastronomiegewerbe Münchens befanden sich im April 2020 in Kurarbeit. 
Thanos Dimitrios, Mitarbeiter bei „El Greco“ in Neubiberg im Süden Münchens erwähnt, dass auch bei ihm im Betrieb viele in Kurzarbeit haben gehen müssen und die staatlichen Soforthilfen „bekommt keiner“. Das Kurzarbeiter Geld käme vielleicht einen Monat später, aber die Soforthilfen für den Betrieb vom Dezember habe man noch nicht bekommen. Man habe das Gefühl, dass die Gastronomie für die Politik zuletzt kommen würde und das, „obwohl man hier die Kontrolle hat“. Man habe im Restaurant einen „richtig guten Überblick“ über die Gäste. Jeder Gast müsse notieren, wann er das Restaurant besucht und seine Kontaktdaten angeben.
Abschließend lässt sich nun also feststellen, dass die Gastronomie Münchens massiv getroffen ist. Hilfen auf dem Papier und in Mitteilungen der Regierung nützen nur, wenn sie auch bei den Betroffenen ankommen. Über dem Wunsch nach einer Perspektive und nach eintreffenden Hilfen scheint nur der Wunsch nach Normalität, nach der Erlaubnis arbeiten zu dürfen zu stehen. Der oft ironische Satz „endlich wieder zur Arbeit gehen zu können“ hat in den Zeiten von Corona seinen Witz verloren.

 

 
Coronamaßnahmen im Restaurant/ Foto: Paul Voigt
 

 
Redaktion

 

 
Diesen Artikel...

 

 
Weitere Themen

 

 
Links zu diesem Artikel

Zugang von Arbeitslosen aus dem Gastgewerbe München
Kurzarbeit in der Gastronomie Münchens