Medienethik.Update - Tagung

Wie und was darf ein Journalist veröffentlichen? Handelt er ethisch vertretbar? Spielen Ethik und Moral bei der Berichterstattung überhaupt noch eine Rolle? Und welche publizistischen Herausforderungen bringt die Digitalisierung mit sich? Das sind nur einige der Themen die am Medienethiktag, am 22. Mai im UniCasino besprochen worden sind. Der Grund, warum Sonja Kretzschmar, Professorin für Innovation im Journalismus, diese Tagung ins Leben gerufen hat, sind die aufkommenden Fragen im Hinblick zu Moral und Ethik im digitalen Zeitalter. Hierzu gab der Tag ein Update.

Zu Beginn des Medienethiktages begrüßten Prof. Sonja Kretzschmar, die Vizepräsidentin der UniBW Prof. Rafaela Kraus und der Dekan der Fakultät für Betriebswirtschaft Prof. Carsten Rennhak die rund 100 Teilnehmer. Prof. Kretzschmar und Johannes Götz, der Medien und Management studiert, moderierten den Tag im Sinne der Medienethik.

Die Vorträge.

Frau Prof. Kretzschmar moderierte nicht nur den Medienethik Tag, sondern erklärte in ihrem Vortrag die Bedeutung von Bildern. Foto: Justin Schneider
Frau Prof. Kretzschmar moderierte nicht nur den Medienethik Tag, sondern erklärte in ihrem Vortrag die Bedeutung von Bildern. Foto: Justin Schneider

Sehen - Nichtsehen - Wegsehen. Prof. Kretzschmar griff hier die Bildethik auf und machte deutlich, welche große Relevanz Bilder in der Digitalisierung haben. „Bei der Selektion der Reize hat das Bild Priorität.“ Im Zeitalter der Digitalisierung wollen die Nutzer so viel Information wie möglich in kürzester Zeit erhalten. Ein Bild eignet sich hierfür am besten, da seine Rezeption auch deutlich einfacher und schneller ist. Die ethische Aufgabe eines Journalisten liegt somit in der Auswahl seiner Bilder. Dabei gilt es, vier Interessen zu wahren. Wahrheit- und Authentizitätsanspruch, Informationsbedürfnis, Ökonomische Erwägungen und Persönlichkeitsrechte. Laut Prof. Kretzschmar, können diese Interessen miteinander konkurrieren. Sie sieht weiterhin auch ein großes Risiko der Manipulation von Bildmaterial zum Beispiel durch Löschen und Einfügen von Elementen, falsche Beschriftung oder die strategische Wahl einer Perspektive, um die Wirkung zu erhöhen.

Ein weiteres wichtiges Thema waren Schockbilder, wie etwa das eines ertrunkenen Kleinkinds am Strand von Bodrum. Für die Veröffentlichung solcher Bilder sprechen Argumente wie die Informations- und Aufklärungspflicht der Medien. Jedoch stellt sich auch hier die ethische Frage.

 

Künstliche Intelligenz als Thema der Ethik. Anschließend ging es um ein Thema, das zur Zeit nahezu jede Branche beschäftigt: Künstliche Intelligenz (KI). Prof. Alexander Filipović, Professor an der Hochschule für Philosophie in München, machte hier philosophische Anmerkungen zur aktuellen Debatte. Ein klassisches KI-Dilemma ist eine Szene aus dem Film „I,Robot“: Ein Roboter rettet einen Erwachsenen vor dem Ertrinken anstatt eines kleinen Mädchens, da die Wahrscheinlichkeit das Mädchen zu retten vom Roboter als geringer berechnet worden ist. Prof. Filipović sieht das ethische Problem eher weniger bei der KI und zitiert hier Edward H. Weisse: „Die größere Gefahr geht nicht von Maschinen aus, die wie Menschen denken, sondern von Menschen, die wie Maschinen denken“.

 

Mehr als 100 Besucher kamen zum Medienethik Tag, um sich zu informieren und/oder weiterzubilden. Foto: Justin Schneider
Mehr als 100 Besucher kamen zum Medienethik Tag, um sich zu informieren und/oder weiterzubilden. Foto: Justin Schneider

Algorithmische Selektion. Was passiert eigentlich mit einer Meldung, die von einer Nachrichtenredaktion in Social Media veröffentlicht wird? Prof. Annika Sehl erklärte in ihrem Vortrag und auf Grundlage ihrer Forschung die Bedeutung von Algorithmen in sozialen Netzwerken. Algorithmen zeigen dem Nutzer die Inhalte, die ihn auch interessieren. Klingt eigentlich nicht schlecht, aber die Frage ist, was wird dem Nutzer nicht angezeigt und welche Risiken gibt es dabei? Prof. Sehl sprach die Vor- und Nachteile, beziehungsweise Risiken wie Datenschutz an. Sie erwähnte unter anderem auch die sogenannte Filterblase: Der Nutzer erhält nur noch das, was er sehen möchte und alles andere bleibt ihm zunächst verborgen. Allerdings sind sich Forscher und Experten nicht einig, ob diese Filterblase wirklich existiert.

 

Normative Aspekte von Migration und Medien. Prof. Klaus-Dieter Altmeppen und Susanna Endres gingen in ihrem Vortrag auf die Anforderungen an die Berichterstattung zu den Themen „Flucht und Migration“ ein. Sie übten Kritik an Begriffen wie zum Beispiel „Asyltourismus“, „Masseneinwanderung und Messermigration“, die von den Medien des öfteren verwendet worden sind. Vor allem bei solchen Themen spielten nicht nur die individuelle und organisationale Verantwortung eine Rolle, sondern auch die Verantwortung des Rezipienten, des Publikums.

 

Der Medienethik Tag fand im Uni Casino der UniBw in München statt. Foto: Justin Schneider
Der Medienethik Tag fand im Uni Casino der UniBw in München statt. Foto: Justin Schneider

KI und Digitalisierung im Spielfilm. Verlässt man das Gebiet Journalismus, lassen sich laut Prof. Thomas Bohrmann ethische Fragen auch in Spielfilmen beobachten. Er erklärte, dass man beim Schauen von Filmen nicht nur über den Inhalt nachdenke, sondern auch seinen eigenen moralischen Standpunkt überprüfe. Vor allem dann, wenn in Filmen eine Identifikationsfigur oder der „Held“ vor einer wichtigen Entscheidung stehe, überlege man sich, „was würde ich tun?“. So ist laut seiner Auffassung der Film eine „ethische Erzählung“. Weiterhin nannte er ein paar der Filme, die sich mit Künstlicher Intelligenz auseinandersetzen: „i,Robot“, „Robocop“ oder „ex machina“. Dabei wurde die KI immer als die Intelligenz dargestellt, die die Menschheit eines Tages unterwerfen wird.

 

Während und nach den einzelnen Vorträgen war ausreichend Zeit, Fragen zu stellen. Foto: Max Strote
Während und nach den einzelnen Vorträgen war ausreichend Zeit, Fragen zu stellen. Foto: Max Strote

Erst die Krise, dann die Moral? Die Medienbranche steht unter finanziellem Druck. Redaktionen müssen an verschiedenen Stellen sparen. Laut Prof. Irene Preisinger sei das jedoch bei qualitativ hochwertigem Journalismus nicht, beziehungsweise nur bedingt, möglich. Das Wichtigste im Journalismus sei die Richtigkeit von Meldungen, Berichten oder anderen Beiträgen. Diese könne nur durch intensive Recherche gewährleistet werden. Allerdings stehe der Journalist unter Druck, Meldungen so schnell wie möglich zu verarbeiten und gleichzeitig die Richtigkeit zu garantieren. Dabei entstehe ein Konflikt zwischen Zeit und Qualität. Vor allem durch die Digitalisierung sei es auch für die Printmedien schwer, sich von den digitalen Medien abzusetzen, die auf „Knopfdruck“ veröffentlichen können.

 

Zeit für Diskussionen und Fragen.

Den Abschluss des Medienethik Tages bildete die Podiumsdiskussion. Foto: Justin Schneider
Den Abschluss des Medienethik Tages bildete die Podiumsdiskussion. Foto: Justin Schneider

Zum Ende des Medienethik.Update wurde in der Podiumsdiskussion zwischen den Moderatoren, Professoren und Studierenden über einzelne Themen diskutiert. Die Moderatoren Prof. Kretzschmar und Johannes Götz führten die Diskussion zwischen Prof. Altmeppen, Anja Miller (Redaktionsleiterin Rundschau, BR), Prof. Preisinger und dem Publikum. Dabei kamen die Berichterstattung über den Amoklauf beim Olympia Einkaufszentrum in München am 22. Juli 2016, die Berichterstattung über Migration und der Umgang mit Medien zur Sprache.

 
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Der Medienethik Tag wurde durchgehend von einem Filmteam aufgezeichnet. Foto: Justin Schneider.Der Medienethik Tag wurde durchgehend von einem Filmteam aufgezeichnet. Foto: Justin Schneider.
 

 
Redaktion

 

 
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