Corona-Krise

 
"Proben über das Internet funktionieren nicht"

Durch die anhaltende Corona-Pandemie steht Deutschland im November erneut still: Wieder gibt es neue Verordnungen, wieder müssen Restaurants, Hotels, Fitnessstudios, Bars und Clubs schließen. Wie schon beim ersten „Lockdown“ im März trifft es neben der Gastronomie vor allem die Kunst- und Veranstaltungsbranche schwer. Christoph Koeck hat die bayerische Band „Monobo Son“ zum Interview getroffen, um mit ihrem Frontmann Manuel Winbeck über die Situation zu sprechen.

Christoph Koeck: Durch Lockdown-Verordnungen konnten sich Musiker in Deutschland im Frühjahr weder treffen noch zu Proben verabreden. Ihr habt hingegen im Corona-Jahr ein neues Album geschrieben. Wie habt ihr das bewerkstelligt?

Manuel Winbeck: Nach dem Albumrelease der „Wienerin“ 2019 ging es recht zügig weiter mit dem Sammeln von neuen Ideen und dem Schreiben von neuen Songs. Die Proben für die neue Produktion haben Anfang dieses Jahres begonnen. Im März waren wir dann für die Vorproduktion im Studio und haben den Grundstein für die gesamte Produktion gelegt. Über das Jahr hinweg und im Sommer wurde es dann finalisiert.

Monobo Son Sänger Manuel Winbeck. Credit: Christoph Koeck

War die erste Corona-Zwangspause im März bei euch komplett musikfrei?

Wir haben viel telefoniert und es gab sehr viel Austausch, wie wir die Zeit möglichst gut nutzen können. Es gab zum Beispiel eine kleine Koch-Show für die sozialen Medien, in der jeder seine Kreativität ausleben konnte. Musikalisch haben wir aber in der Tat runtergefahren.

Manche Bands haben ihre Proben über das Internet abgehalten. Wie lief es bei euch?

Proben über das Internet funktionieren leider nicht. Wir wohnen alle auf dem Land, da sind die Bandbreiten nicht ausreichend dafür. Für das Telefonieren über das Internet über Skype hat es aber gereicht.

"Monobo Son" während einem Live-Auftritt in Bayreuth. Credit: Christoph Koeck

Wie und wann wurde dann für das neue Album geprobt?

Die Proben waren hauptsächlich vor dem Lockdown, im Januar und Februar. Als wir im März das Gefühl bekommen haben, da kommt etwas auf uns zu, haben wir versucht, noch so schnell es geht, einen passenden Termin zu finden, um unsere Aufnahmen für die Vorproduktion fertig zu stellen. Während der Ausgangsbeschränkung haben wir die Situation aber so akzeptiert, wie sie war.

"Monobo Son" während eines Live-Auftritts in Bayreuth. Credit: Christoph Koeck

Ihr hattet bereits euer erstes Konzert mit Hygienekonzept. Wie war das für euch?

Das Spielen unter diesen Vorgaben ist total lustig. Obwohl die Situation gerade so dramatisch und schlecht ist, für alles was mit Spaß und Lebensfreude zu tun hat, eröffnen sich ja trotzdem Erkenntnisse in allen Krisen. Wir konnten uns zum Beispiel nie vorstellen, Konzerte zu spielen, bei denen die Gäste vor uns im Publikum sitzen. Allerdings hat die Emotion, die bei einem Konzert überspringt, nicht nur eine Ausdrucksform. Bei Konzerten, die unter „normalen“ Bedingungen stattfanden, war es so, dass wir als Band Energie ins Publikum schicken und darauf dann schöne Musik machen. Jetzt ist es grundsätzlich nicht anders, nur gehen wir jetzt von der musikalischen Qualität aus und bringen dann die Energie in die Musik und die Gäste. Wir haben das Extrem nur umgekehrt.

Auch Backstage herrscht die Maskenpflicht. Credit: Christoph Koeck

Ihr habt in diesem Jahr erneut auf dem Bayreuther Kneipenfestival gespielt. Was war diesmal alles anders?

Letztes Jahr war es partymäßig eines der Highlights. Das Publikum ist ab der ersten Minute eskaliert. Dieses Jahr ist das komplett anders: Wir sind in einem Veranstaltungssaal, in dem letztes Jahr circa 800 Gäste stehend Platz gefunden hätten. Dieses Jahr sind Stühle aufgestellt, auf denen 150 Gäste Platz finden. Es ist also deutlich gesitteter abgelaufen als letztes Jahr.

Im aktuellen Album beschreibst Du den Namen der Band als „komisch“. Wo kommt er denn her und was bedeutet er?

Der Name ist in seinem Ursprung eigentlich eine Lautmalerei. Mir gefiel die Form des Buchstaben „O“ mit seiner runden, vollkommenen, geschlossenen Art. Das passte sehr gut zu der Musik, die wir machen. Mit der Zeit baten uns die Fans immer mehr nach einer Erklärung, wo der Name denn herkommen könnte und gaben uns auch immer mehr Möglichkeiten, was der Name denn bedeute. Ich denke, so langsam bekommt er eben die Bedeutung, die die Leute gerne hätten.

 
Interview mit Monobo Son Frontmann Manuel Winbeck.mp4 (video)
 
"Monobo Son" während eines Live-Auftritts in Bayreuth. Credit: Christoph Koeck
 

 
Redaktion

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