Schlank werden leicht gemacht

Stoffwechselkur und Formula-Diät - zwei von vielen Möglichkeiten, ganz ohne sportliche Betätigung einfach, schnell und nachhaltig abzunehmen. Das zumindest preist die Werbung an. Zwei junge Frauen haben es ausprobiert.

Carina Meier*, 21 Jahre, Psychologie-Studentin, wollte abnehmen und etwas Gutes für ihren Körper tun. „Ich habe auf Instagram von dieser Stoffwechselkur erfahren. Ich habe mich dick gefühlt und wollte so um die sieben bis acht Kilo abnehmen. Natürlich so schnell wie möglich. Ich habe viele Erfolgsbeispiele gesehen und wollte es selbst mal ausprobieren.“ Dann bestellte sie die für mehr als 200 Euro angepriesene Stoffwechselkur – eine von vielen die auf dem Markt angeboten werden. Zwei Tage durfte sie alles essen, was sie wollte, von Pizza über Nudeln bis hin zum Döner. Das war die sogenannte Ladephase, man sollte lediglich den Alkohol weglassen und mindestens drei Liter Wasser am Tag trinken.

Nur 500 Kalorien täglich - dazu 15 Tabletten

Daraufhin begann die Diätphase, bei der Carina laut Anleitung nicht mehr als  500 bis 700 Kalorien aufnehmen sollte. „Ich wusste schon, dass das sehr wenig ist, jedoch weiß man ja, dass man um effektiv abzunehmen ein Kaloriendefizit aufbauen muss“, sagt sie rückblickend. Je nach Größe, Geschlecht und Gewicht liegt der Bedarf eines Erwachsenen zwischen 1800 und 2500 Kalorien pro Tag. Morgens trank sie einen Shake aus Flosamenschalen und Eiweißpulver. Der Rest der Kalorien sollte größtenteils aus Proteinen bestehen. Kohlenhydrate mussten komplett weggelassen werden. Zu den drei Mahlzeiten täglich sollten um die 15 Tabletten eingenommen werden, davon sechs Kapseln Glucomannan, das laut Hersteller ein guter Ballaststoff ist und den Stoffwechsel in Schwung bringen soll. Diese Phase dauerte 21 Tage – der Vertreiber verspricht einen Abnehmerfolg von bis zu zehn Kilogramm.

Nebenwirkungen und Abbruch

Carina erinnert sich: „Am Anfang ging es mir richtig gut, ich konnte Sport machen und habe mich fit gefühlt. In der dritten Nacht hat es dann angefangen: Ich musste die ganze Nacht brechen und habe die Nacht auf der Toilette verbracht. Ich habe es als Nebenwirkung abgetan und wollte weitermachen. Der Shake am nächsten Morgen ist jedoch auf direktem Weg wieder herausgekommen und daraufhin habe ich mich, am vierten Tag, dazu entschlossen die Stoffwechselkur abzubrechen.“

"Was ich meinem Körper angetan habe."

Nach der Diätphase wären eigentlich noch die Stabilisierungs- und die Erhaltungsphase geplant gewesen. Hierbei soll dafür gesorgt werden, dass das verlorene Gewicht nicht durch einen Jojo-Effekt wieder zugenommen wird. Soweit kam es bei Carina nicht. Am meisten bereut sie im Nachhinein so viel Geld ausgegeben zu haben. „Und was ich meinem Körper angetan habe“, hadert sie mit sich selbst und ergänzt, „es gibt gesündere Wege, abzunehmen.“ Die würden zwar nicht nur drei Wochen dauern, seien aber nachhaltiger und sicher nicht so teuer. Zum Schluss betont sie, dass sie diese Art des Abnehmens auf keinen Fall weiterempfehlen würde.

Gewicht verlieren mit einer Formula-Diät

Jenny Krämer*, 24 Studentin der Germanistik, beginnt und endet ihren Tag mit einem Shake einer Formula-Diät. Auch sie wollte schnell und nachhaltig abnehmen. Bei der Recherche im Internet stieß sie auf die Formula-Diäten und dachte: „Warum nicht, das Schlimmste, das ich zu verlieren habe, ist Gewicht.“

Formula-Diäten bestehen aus vorgefertigten Shakes, die in den ersten zwei Wochen der Diät drei Mal täglich getrunken werden. Zwischendurch darf an Gemüse geknabbert werden. Weiter sollte man laut Herstellern aber nichts essen. Die Shakes bestehen zum größten Teil aus Proteinen. Die genaue Zusammensetzung variiert je nach Hersteller. Pro Tag werden so nur etwa 700 Kalorien aufgenommen. Dieses Kaloriendefizit führt zu einer schnellen Gewichtsabnahme.

Hunger, Kreislaufprobleme, aber vier Kilogramm in einer Woche weniger

„Ich habe schon in der ersten Woche um die vier Kilogramm verloren, das hat mich natürlich wahnsinnig motiviert weiterzumachen,“ erinnert sich Jenny und fügt hinzu: „Die ersten drei bis vier Tage waren aber wirklich schlimm. Ich hatte die ganze Zeit über Hunger und Kreislaufprobleme, als sich mein Körper dann daran gewöhnt hatte, habe ich angefangen mich wirklich gut und fit zu fühlen.“

In der zweiten Phase der Diät, den nächsten vier Wochen, werden nur noch zwei Mahlzeiten durch den Shake ersetzt. Und im dritten Stadium, das weitere vier Wochen dauert, nur noch eine. Das soll den Körper wieder langsam daran gewöhnen, Nahrung aufzunehmen.

Wichtig: kritische Auseinandersetzung mit Ernährung

„Viele probieren diese Diät aus und freuen sich über das abgenommene Gewicht. Sie fangen wieder an zu essen wie vorher, ohne sich irgendwelche Gedanken darüber zu machen, das führt zu einem Jojo-Effekt. Ich habe mich sehr strikt an die Diätregeln gehalten und konnte weiter abnehmen und halte mein Gewicht sehr gut“, resümiert Jenny. Sie hat in den zehn Wochen zehn Kilogramm abgenommen und würde die Diät weiterempfehlen: „Aber nur an jemanden, der sich mit seiner Ernährung kritisch auseinander setzen will und die Disziplin hat, die vollen zehn Wochen durchzuziehen."

*Name von der Redaktion geändert

 
Von Stoffwechselpillen über Abnehmshakes, zum Abnehmen wird viel Verschiedenes angeboten. Foto: Janice Drews
 

 
Redaktion

 

 
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