Wie Corona den Tourismus verändert

 
Urlaub in Gefahr

Wegen der Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes bleibt vielen Deutschen nur der Urlaub im eigenen Land. Doch wie sieht die Lage für die Hotels aus? Ein Bericht vom Ammersee.

Deutschland in Zeiten von Corona – so ungewohnt und gewöhnungsbedürftig wie noch nie. Und obwohl es derzeit nur wenig zu lachen gibt, zeigten sich Markus Söder und Angela Merkel bei der Pressekonferenz am 30. April nicht nur staatslenkend, sondern auch scherzend. Und zwar darüber, wo es den Bundesbürger im Sommer hin verschlagen dürfe. „Sollte am Ende möglicherweise innerhalb Deutschlands das Reisen möglich sein, kann ich jedem sagen, der in den Süden fährt, man muss nicht nach Österreich fahren, man kann dann auch in Bayern Urlaub machen“ erklärte der mit ausreichend Abstand zu Angela Merkel sitzende Markus Söder. Darauf erwiderte Bundeskanzlerin Merkel grinsend: „Der Norden hat auch super Möglichkeiten sich zu vergnügen“. Damit sei schon alles geklärt.

Doch Urlaub hat der Bürger in diesen Zeiten nötige denn je. Urlaub von der Krise, dem Virus, und vor allem von den einengenden, eigenen vier Wänden. Und dass möglichst dort, wo sich der Urlaub auch wie einer anfühlt. Die Anforderungen vieler Bürger sind dafür klar definiert: gutes Wetter, Meer, unberührte Natur – eine tolle Aussicht. All das kann man, so glaube man dem CSU-Chef Söder, im Süden, also in Bayern finden. Doch ob das so einfach ist, muss sich erst zeigen. Hygienekonzepte, Maskenpflicht und die Abstandsregelungen führen zu eingeschränkten Wellnessangeboten. Und auch das geliebte Frühstücksbuffet kann in seiner bisherigen Form nicht durchgeführt werden.

Wir haben uns deshalb auf die Suche nach der Antwort auf die Frage gemacht, ob Urlaub während Corona überhaupt machbar ist. Ziel unserer Recherche: der Ammersee. Eines der vielen bayrischen Erholungszentren, in der Nähe der Münchner Hausberge.

Jan-Niklas Krapf, Juniorchef des Hotels zum See am Ammersee berichtet uns von der schwierigen Lage für Hotels und ihre Belegschaft. Denn auch wenn der Blick in die Zukunft hohen Zulauf durch einheimischen Tourismus verspricht, so zeichnet sich bei genauerer Betrachtung ein düsteres Bild ab. Der Bundesverband der Hotels und Gaststätten DEHOGA hatte es dabei nicht weniger drastisch formuliert und warnte in den letzten Monaten immer wieder davor, dass die Hotels am Rande ihrer Existenz stünden. So soll es vor allem im März und April zu Umsatzeinbrüchen von 45 Prozent und 76 Prozent gekommen sein.

Die Hoteliers seien dabei auf Hilfen vom Staat angewiesen, wie uns auch Krapf vom Hotel zum See erzählt. Vor allem die Kurzarbeit sei ein probates Mittel gewesen, um Kosten einzusparen und dem Umsatzrückgang wegen ausbleibender Gäste zu kompensieren. Das Sommergeschäft bleibt somit als rettender Anker – in der Hoffnung, dass das Hygienekonzept den Ansturm durch deutsche Urlauber nicht verschreckt.

 

 
Interview mit Jan-Niklas Krapf, Juniorchef "Hotel zum See"
 
 

 
Redaktion

 

 
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