Gedenken an die Opfer von Paris, Foto: Sandro Schroeder/ https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/Gedenken an die Opfer von Paris, Foto: Sandro Schroeder/ https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/
 

 
Was bedeutet eigentlich Dschihad?

Brüssel, Paris, Madrid: Im Zusammenhang mit islamistischen Anschlägen taucht immer wieder das Wort "Dschihad" auf. Es ist zum Inbegriff von Terrorismus geworden. Aber die ursprüngliche Bedeutung hat nichts mit blindwütigem Fanatismus oder gar Selbstmordattentaten zu tun.

Der kleine und der große Dschihad

"Dschihad" ist ein arabisches Wort, das aus dem Koran stammt. Es wird als eine Aufforderung Allahs gegenüber den Muslimen verstanden. Aber was drückt der Begriff genau aus? Um das besser verstehen zu können, muss man ihn genau unter die Lupe nehmen. Denn es gibt den "großen" und den "kleinen Dschihad".

Der große Dschihad bezeichnet in erster Linie die Anstrengung, ein frommer und gottgefälliger Muslim zu werden. Er bezieht sich also auf den Glauben und die damit verbundene Lebensweise einer Einzelperson. Es geht dabei um den Kampf mit sich selbst und um das Streben nach einem tugendhaften Leben.

Der kleine Dschihad hingegen wird als Aufruf zum physischen und kämpferischen Einsatz gegen Ungerechtigkeiten und zur Verteidigung verstanden. Jedoch nicht als Legitimation für Terrorismus.

 

Radikalisierung des Dschihad-Gedanken

Der Aufruf zum kleinen Dschihad lässt Interpretationsspielräume offen und wird daher auch radikal gedeutet, zum Beispiel von islamistischen Terroristen. Sie nutzen bestimmte Passagen des Korans, um ihre Gräueltaten zu rechtfertigen. Und so wird Religion als Zündstoff für Konflikte missbraucht.

 

Dschihad im 20. Jahrhundert

Das Verständnis des Dschihads änderte sich über die Epochen der Zeitgeschichte. Nach dem Zerfall der islamischen Großreiche gab es keine Kalifen oder Sultane mehr, die religiöse Vorschriften machen konnten. Die Spaltung des Orients in islamische Teilreiche ermöglichte eine individuelle Auslegung des Dschihad-Gedankens.

So wurde er 1919 in Afghanistan als Kampf gegen die Kolonialmächte propagiert: Amanullah Khan übernahm die Regierung und rechtfertigte seinen Machtanspruch durch einen notwendigen Dschihad gegen die Besatzer des Britischen Empires. Als dann Ende der 70er Jahre die Sowjetunion in Afghanistan einmarschierte, wurde dieser Dschihad-Gedanke wiederbelebt. Deshalb bezeichneten sich die afghanischen Kämpfer auch als Mudschahedin, was wortwörtlich bedeutet: „derjenige, der heiligen Kampf betreibt“.

„Im Koran findet sich nicht die geringste Legitimation für einen Selbstmordanschlag“, betont der Terrorismusexperte Asiem El   Difraoui.

 

Dschihad heute

Für die Mudschahedin war der Dschihad der Weg, um sich von der Unterdrückung durch ausländische Kräfte zu befreien. Sie sahen sich für diesen Kampf durch Gott ermächtigt und berufen. Sie verstanden den Dschihad als eine Art Pflicht, Widerstand zu leisten.

Terrororganisationen wie Al Qaida und der sogenannte Islamische Staat lehnen sich an diese Interpretation an - jedoch in veränderter und sehr viel extremerer Form. Bei ihnen steht das Martyrium im Vordergrund. Selbstmordattentätern wird höchstes Ansehen im Paradies versprochen. „Im Koran findet sich nicht die geringste Legitimation für einen Selbstmordanschlag“, betont jedoch der Terrorismusexperte Asiem El Difraoui. Trotzdem ereignen sich immer wieder Terroranschläge im Namen des Dschihads. Journalisten sollten sich allerdings genau überlegen, warum sie Terroristen als "Dschihadisten" bezeichnen. Denn dieser Begriff wird von Terroristen für ihre Zwecke missbraucht. Unter dem Deckmantel des Dschihads versuchen sie, ihre Taten religiös zu rechtfertigen und damit letztlich zu legitimieren.

 

 
Redaktion

Bild des Benutzers Matthias Reimert
 

 
Diesen Artikel...

 

 
Weitere Themen

 

 
Links zu diesem Artikel

ZDF: Der kleine und der große Dschihad