FRAUEN BEI DER BUNDESWEHR

 
Wie ist es, Soldatin zu sein?

Sie waren die Ersten: Oberleutnant Orosoo Ariunaa, Soldatin aus der Mongolei, und Fähnrich zur See Barbara Schierl. Als erste Studentinnen an der Universität der Bundeswehr in München, nahmen sie im Oktober 2001 ihr Pädagogikstudium in Neubiberg auf. Heute liegt der Anteil der Studentinnen bei rund 18 Prozent. Anlässlich 20 Jahre Frauen bei der Bundeswehr, haben die Studierenden mit aktiven und ehemaligen Soldatinnen gesprochen.

Vom Boot in den Bulli

Redakteur: Tobias Engelbracht

Anja Hänisch, 38 Jahre, Wirtschafts- und Organisationswissenschaften von Oktober 2004 bis Februar 2008 an der Universität der Bundeswehr studiert.

 

Warum haben Sie sich für eine Karriere in der männlich dominierten Bundeswehr entschieden?

Damals habe ich mir keine Gedanken darum gemacht, dass das ein Männerberuf ist. Durch die Öffnung für Frauen bin ich darauf aufmerksam geworden, weil es durch die Medien ging. Zu dem Zeitpunkt hatte ich ein BWL-Studium angefangen und mir wurde klar, dass ein normaler Bürojob nicht das ist, was ich will. Ich wollte Spannung im Berufsleben und gleichzeitig etwas Gutes tun.

Wie war für Sie der Einstieg in den Beruf?

Die Ausbilder waren zum Glück sehr freundlich. Wir waren in der Grundausbildung schon vier Frauen von 25 Rekruten. Die Grundausbildung war anstrengend, jedoch kein ‚Kulturschock‘ wie man es erwarten würde.

Nach dem Studium waren Sie zwei Jahre als Navigationsoffizier an Bord eines Tenders (Versorgungsboot). Wie verlief Ihre weitere Karriere als Soldatin?

Während der Verwendung habe ich meinen Sohn bekommen und bin danach nicht mehr zur See gefahren. Nach der Elternzeit war ich Leiterin eines Personal-, Werbe- und Entwicklungsteams. Diese Teams repräsentieren die Marine nach Außen und zeigen dem internem Personal die Möglichkeiten der Weiterentwicklung auf. Die letzten Dienstjahre war ich Hörsaalleiterin an der Marineschule Mürwik in der Ausbildung der jungen Offizieranwärter.

Was machen Sie heute beruflich?

Ich bin selbstständig und arbeite ortsunabhängig von meinem Bulli aus. Ich lebe nicht mehr in Deutschland und bin ganzjährig unterwegs. Ich unterstütze Unternehmer/innen, hauptsächlich jedoch Frauen, bei Ihrem Webauftritt. Ich bin Webdesignerin und kümmere mich um die Technik dahinter.

 

Gleiche Pflichten, gleiche Rechte

Redakteur: Thorben Frahm


Hauptmann Lisa Lang ist seit 2008 in den Streitkräften tätig. An der UniBw hat sie ihr pädagogisches Studium abgeschlossen.

 

Was hat Sie als Frau dazu bewogen eine Karriere in der Bundeswehr einzuschlagen?

Ich habe mich allgemein während meines Abiturs auf viele Studiengänge beworben, die bezahlt wurden. Beispielsweise auch duale Studiengänge bei der Post, weil ich mir aus meinem persönlichen Background ein Studium gar nicht hätte leisten können.

Wie hat ihr familiäres oder privates Umfeld darauf reagiert, als Sie sich für 13 Jahre verpflichtet haben?

Gemischt, im Großen und Ganzen waren es weder euphorische noch ablehnende Haltungen.

Wie verlief Ihre Karriere als Soldatin nach dem Studium?

Nach dem Studium bin ich nach Husum zur FlaRak versetzt worden. Danach bin ich dann Erkundungsoffizier gewesen. Später stieß ich zum Kommando SKB wo ich auch heute noch tätig bin.

Glauben Sie, dass sich durch den jetzt doch höheren Anteil an Frauen in der Truppe von gut 12 Prozent in der Bundeswehr etwas verändert hat?

Ich glaube, dass das ziemlich schwer zu beurteilen ist. Gerade aus Frauensicht, weil ich natürlich keine Zeit erlebt habe ohne Frauen bei der Bundeswehr. Ich denke, dass es auch heute noch viele negative, aber auch jede Menge positive Beispiele gibt. Vielleicht ist es auch ein Generationenunterschied.

Inwieweit muss man tatsächlich differenzieren zwischen Soldatinnen und Soldaten

Das ist tatsächlich ein schwieriges Thema. Im Ernstfall kann ich als Frau im Einsatz nicht einfach sagen, „das ist mir zu anstrengend, ich kann das hier jetzt nicht mitmachen“. Denn man hat natürlich die gleichen Pflichten wie die männlichen Kameraden.

 

"Seid Vorbild! Zeigt euch!"

Redakteurin: Selina Feller


Hauptmann Andrea Kaleu ist heute Marineoffizier.

 

Warum haben Sie sich für die Karriere bei der Bundeswehr entschieden?

Ich war schon früh Trainerin in einem Berliner Sportverein. Dort brannte ich für das Ausbilden junger Menschen und der damit verbundenen Verantwortung. Auch die eigene finanzielle Unabhängigkeit und die persönliche Weiterentwicklung waren mir wichtig. Durch zwei gute Freunde hatte ich zudem nicht nur Einblick in das Wirken eines Offiziers, sondern auch das notwendige Vertrauen in die Streitkräfte.

Was war bisher Ihr spannendstes berufliches Projekt?

Das waren sicher meine Auslandseinsätze in Afghanistan und dem Kosovo. Beide hätten unterschiedlicher nicht sein können. Was sie aber eint, ist zum einen die Kameradschaft, die ich erlebt habe und zum anderen das Vertrauen der Führungskräfte in mich.

Wie war für Sie der Einstieg in einen von Männern dominierten Beruf?

Ich war jung, ich war sportlich, ich wusste, worauf ich mich einließ. Und dann war es aber doch manchmal seltsam. Anfangs gab es beispielsweise Ampeln für den Umgang zwischen Mann und Frau. Allein unter lauter Männern zu sein, war eigentlich erst dann ein Thema, als ich selbst Ausbilderin wurde. Ein beklemmendes Gefühl hatte ich jedoch nicht. Ich musste den jungen Menschen schließlich Orientierung und Sicherheit vermitteln. Manchmal habe ich mich aber bei dem Gedanken ertappt, dies vielleicht gerade den Soldatinnen noch ein Stück mehr geben zu müssen.

Was war die größte Gefahr, der Sie in Ihrem Dienst ausgesetzt waren?

Das war 2011, als eine versteckte Sprengfalle in Afghanistan beim Überfahren unseres Konvois detonierte. Glücklicherweise gab es nur Leichtverletzte. Die Rettungskette, als auch die gesamte psychologische Nachbetreuung verliefen extrem professionell. Nie vergessen werde ich aber den jungen Kraftfahrer, der nach minutenlanger stiller Weiterfahrt zu mir sagte: „Frau Kaleu, die hätte auch unter uns explodieren können“. Daran hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal gedacht.

Gibt es Schwierigkeiten, wenn man als weiblicher Offizier eine Familie gründen will?

Sicher nicht mehr, als anderswo auch. Ich habe die Bundeswehr gegenüber Familien immer als eine sehr fürsorgliche Arbeitgeberin erlebt, die gleich ob Einsatz oder Dienst im Inland, Sicherheit bietet, viel möglich macht und unterstützt, wo sie kann. Und ich hoffe, dass sich – anders als bei mir damals – Laufbahnen mittlerweile flexibler gestalten lassen.

Wie würden Sie Frauen motivieren zu Bundeswehr zu gehen?

Die Bundeswehr hat vor 21 Jahren die einmalige Chance erhalten, zur Gleichstellung in diesem Land beizutragen. Gut. Weiter so! Und jetzt ist es an euch, liebe Kameradinnen. Bringt euch ein, zeigt Unschärfen auf, entwickelt Lösungen, sucht Verbündete. Und: Seid Vorbild. Zeigt euch!

 

„Ein dickes Fell gehört auch dazu“

Redakteurin: Janina Kloos

Hauptmann Alexandra Eisen hat von 2009 bis 2014 Bildungswissenschaften an der UniBw studiert und kam 2018 nochmal als Gruppenleiterin dorthin zurück. Heute ist sie Personalstabsoffizier am Standort Manching.

 

Was hat Sie dazu bewogen, eine Karriere in der männlich dominierten Bundeswehr einzuschlagen?

Mir war wichtig einen anspruchsvollen Beruf mit anderen Menschen auszuüben. Dass der Männeranteil überwiegt, störte mich aufgrund meines eher männlich geprägten Freundeskreises nicht Ich liebte schon immer das Abenteuer und die Herausforderung.

Wie war für Sie der Einstieg in einen von Männern dominierten Beruf?

Es war von Anfang an klar: wer von den Soldaten akzeptiert und respektiert werden will, muss Leistung zeigen. Daher war mein Anspruch an mich selbst hoch und ich habe viel trainiert, um mithalten zu können. Dies bewährt sich bis heute.

Hat der höhere Frauenanteil in der Truppe, die Bundeswehr Ihrer Meinung nach verändert?
Ich denke ja. Frauen bringen viele besondere Eigenschaften mit. Fürsorglichkeit, Empathie und Sensibilität sorgen für ein anderes Miteinander. Dennoch finde ich es sehr wichtig, dass Anforderungen auf keinen Fall heruntergesetzt werden. Frauen in der Bundeswehr sind ein Gewinn, aber sie müssen sich auch anpassen und einen gewissen Grad an Leidensfähigkeit sowie physische und psychische Belastbarkeit mitbringen.

Was möchten Sie den jungen Frauen in der Bundeswehr mitgeben?
In meiner Zeit als Gruppenleiterin habe ich stark auf die Soldatinnen geachtet und zur Übernahme von Verantwortung ermutigt. Frauen müssen sich trauen nach vorne zu treten und zeigen, dass sie führungsstark sind. Es ist ein Beruf, indem man anpacken muss und eben nicht das perfekte, weibliche Äußere zählt. Es gilt zu unterstreichen, dass auch Frauen unter Belastung schwierige Entscheidungen treffen können. Ein dickes Fell gehört auch dazu. Ich wünsche allen jungen Frauen den Mut und die Freude ihre „Frau zu stehen“.

 
 

 
Redaktion

 

 
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