Die gelebte Gemeinschaft. Foto: Reimers
 

 
Wir sind auch hier, Neubiberg!

Was tut die einzige Universitätsgemeinde Deutschlands - Neubiberg - für die Studierenden der UniBw? Ein datenjournalistisches Projekt von Oiliver Bündgen, Angelique Reimers und Carina Stallmeister.

#Wir sind auch noch hier!

Unser Projekt „Wir sind auch noch hier!“ ist von Studierenden für Studierende.

Mit 3.482 Studierenden machen wir einen großen Teil der 15.070 Einwohner starken Gemeinde Neubiberg aus. Deswegen stellt sich für uns die Frage: Was tut Neubiberg, die einzige Universitätsgemeinde Deutschlands, eigentlich für uns?

Wir haben bei der Gemeinde recherchiert und uns bei Euch umgehört, was Ihr dazu zu sagen habt.

Unseren Fragen stellten sich zudem Personaloffizier Hauptmann Harald Preß, das Bürgerbüro Neubiberg, das Straßenverkehrsamt, sowie der damalige Bürgermeister von Neubiberg, Günter Heyland.


Von der Gemeinde Neubiberg wünsche ich mir...


M. Höschel MM17

 

 

 

„… eine Straßenbeleuchtung an dem kleinen Weg zwischen der Universität und des S-Bahnhofes Neuperlach Süd.“

 

 

 

 

 

 

 

 

S. Wolf WOW19

 

 

 

 

„… mehr öffentliche Parkplätze ohne zeitliche Begrenzung.“

 

 

 

 

 

 

 

 

M. Riederle WOW16

 

 

„… die Bereitschaft, die Leutnants-Beförderungen in der Öffentlichkeit auszurichten, um so die Verbundenheit mit der Universität als Bundeswehrstandtort zu zeigen.“

 

 

 

 

 

Wir kommen ja nicht alle ursprünglich aus Bayern. Woher denn dann? Zuhause sind viele von uns in Nordrhein Westfalen, was bei Betrachtung der ersten Grafik klar erkennbar ist.

Im Gegenzug kann man auf Grafik zwei erkennen, dass der Lebensmittelpunkt vieler von uns mittlerweile nach Bayern, Neubiberg und Umgebung gewandert ist.

Viele von uns haben immer noch Freunde und Familie in der Heimat - das bedeutet endlos lange Fahrstrecken. Meldet man sich dann noch nach Neubiberg um, sind dadurch entstehende Kosten, wie zum Beispiel Sprit, auch nicht mehr steuerlich absetzbar.

Die Meldeadressen der Studenten bei Diensteintritt in die Bundeswehr. Quelle: Personaloffizier UniBwM

Doch wer hätte das gedacht? Offensichtlich ist unser Anteil an der Einwohnerzahl Neubibergs gar nicht mal so hoch. Mit dem Erstwohnsitz sind nämlich nur 718 Studierende in Neubiberg gemeldet. In Relation zu den 15.070 Einwohnern Neubibergs ist das wirklich nicht sehr viel. Zudem hätten wir erwartet, dass die Zahl bei 3.482 Studierenden wesentlich höher ausfallen müsste.

 

Interessant ist auch, wie viel KFZs überhaupt in Neubiberg gemeldet sind. Deutlich wird auf jeden Fall, dass wir Studierende in den vergangenen Jahren immer mehr geworden sind. Passend dazu ist auch die Anzahl der gemeldeten KFZs gestiegen. Man könnte meinen, dass Neubiberg  - dem Zuwachs entsprechend -  mehr öffentliche Parkplätze zur Verfügung stellen würde, doch dem ist nicht so. Was sagt die Gemeinde dazu?

 

Keine Fragen, natürlich stellt uns die Bundeswehr eigene Parkflächen zur Verfügung. Doch nach dem gar traurigen Ereignis im vergangenen Jahr, an dem unser geliebter Ostparkplatz geschlossen und abgerissen wurde, wünschen sich viele Studierende neue Parkmöglichkeiten im östlichen Bereich der Universität. Die Parkplatzsuche auf dem Uni-Campus gestaltet sich zunehmend schwieriger und langwieriger. Welche Odyssee hier auf den verzweifelten Parkplatzsuchenden zukommt - das seht Ihr in unserem Video.

Zeitaufwand und Durchhaltevermögen bei der Parkplatzsuche sind also notwendig. Richtig unangenehm wird es allerdings wenn man eine weitere Folge der Parkplatzknappheit  bedenkt. Richtig, Strafzettel. Immer mehr Studierende weichen auf den San- und  die naheliegenden Stundenparkplätze aus oder parken auch gern mal in „Dritter Reihe“. Darüber haben sich die Politessen mit Sicherheit nicht wirklich gefreut, denn jetzt heißt es: Knöllchenschreiben im Akkord. Vom dritten zum vierten Quartal 2019 hat sich die Anzahl der verteilten Strafzettel verdoppelt -  übrigens der Zeitraum in dem der Ostparkplatz geschlossen wurde. 

 

Von der Gemeinde Neubiberg wünsche ich mir...

M. Strohkosch SOWI18

 

 

„… eine Parkfläche für die Beförderung am 13.06.20, damit Familie, Gäste und wir unsere Autos angemessen parken können, um unsere Beförderung vernünftig genießen zu können.“

 

 

 

M. Müller WOW18

 

 

 

„… mehr Parkplätze vor der Universität ohne zeitliche Begrenzung und eine bessere öffentliche Anbindung am Wochenende von der S-Bahnstation zur Universität.“

 

 

 

S. Sypiena WOW19

 

 

 

 

 

 

 

„… würde ich mir als neues Mitglied dieser Gemeinde eine Vorstellung der Gemeinde wünschen.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Neubiberg, die einzige Universitätsgemeinde Deutschland“, ein Titel, mit der sich die Gemeinde Neubiberg gerne schmückt. Doch was bedeutet das genau für die Gemeinde und „ihre“ Studierenden?

Die „Universität der Bundeswehr München“ wurde im Jahr 1973 gegründet. Seitdem sind auch die Bevölkerungszahlen der Gemeinde des Landkreises München stetig gewachsen.

 

 

Kaum angekommen an der Universität der Bundeswehr München erreicht Euch bereits der erste Brief der Gemeinde Neubiberg mit dem deutlichen Hinweis sich von Eurem Heimatwohnsitz nach Neubiberg umzumelden.
Laut einer Herunterbrechung des Finanzamtes, erhält die Gemeinde knapp 919 Euro pro Bürger und dies ist nur der Beteiligungsbeitrag eines jeden einzelnen. Betrachtet man alle steuerlichen Einnahmen, inklusive der Grundsteuer, der Gewerbesteuer und der Einkommenssteuer, ergibt sich pro Einwohner ein Durchschnittwert von 2.150 Euro im Jahr 2019.

Im Jahr 2018 hat die Gemeinde Neubiberg einen Rekordwert an steuerlichen Einnahmen in Höhe von 48.863.572 Euro erreicht. Hochgerechnet betrugen die Gesamteinnahmen der Gemeinde im Jahr 2019 rund 37.983.400 Euro. Anteilig waren davon 28.065.700 Euro  Steuereinnahmen und knapp 3.035.400 Euro kamen an Zuschüssen dazu, welche man beispielsweise für die Anzahl an gemeldeten Einwohnern erhält. Die nachfolgende Grafik veranschaulicht, wofür diese Gelder im Groben genutzt wurden.

 

 

Laut dem ehemaligen Bürgermeister der Gemeinde Neubiberg, Günter Heyland, wurden folgende Projekte in den vergangenen Jahren, zugunsten der Studierenden durchgeführt:

  • Die Gemeinde Neubiberg hat zusammen mit dem Bund die Kinderkrippe „Campuskücken“ der Johanniter auf den Weg gebracht
  • Bereitstellung von Praktikumsplätzen
  • Zusammenwirken mit verschiedenen Fakultäten für Seminar-, Master-, und Bachelorarbeiten ggf. mit einem „Neubiberger“ Thema
  • Bereitstellung des gemeindlichen Sportzentrums für große Sportevents, z.B. Lacrosse
  • Auftrittsmöglichkeit der Uni-Bigband „At Ease“ im Rahmen des Kulturprogrammes der Gemeinde Neubiberg
  • Studierende können auf MVG-Leihräder zugreifen, insbesondere um den Weg nach Neuperlach-Süd zu S und U unabhängig von Busverkehrszeiten nutzen zu können
  • Ständige Verbesserung der Busverkehrszeiten der Linien 199 und 217, z.B. auch nachts sowie an Wochenenden und Feiertagen
  • Mehrere Carsharing-Anbieter rund um das Gelände der UniBw erhielten von der Gemeinde eine Parkerleichterung, um rund um die Uhr dort stehen zu können
  • Rund um das UniBw-Gelände entstehen noch in diesem Jahr mehrere E-Tankstellen auch zur komfortablen Nutzung durch Studenten*innen und Mitarbeiter*innen der UniBw
  • Unkomplizierte Mitbenutzung der Neubiberger Gemeindebibliothek auch mit zahlreichen E-Medien
  • Jährliche Auszeichnung von drei Abschlussarbeiten durch die Gemeinde mit Preisen
  • Mitwirkung beim Freundeskreis der UniBwM insbesondere zur Unterstützung der Alumni
  • Zusammenwirken von Gemeinde und UniBwM beim Forschungsprojekt SiFoLIFE
  • Zusammenarbeit der Universitätsbibliothek und der Gemeindebibliothek als Verbund

Für die Studierenden, die das Bedürfnis haben, außerhalb des Campus zu wohnen, beschäftigt sich die Gemeinde aktuell mit der sogenannten transparenten Wohnraumvergabe. Diese kann in Anspruch genommen werden, wenn man die vom Gemeinderat beschlossenen Kriterien, wie zum Beispiel ein geringes bis mittleres Einkommen, erfüllt. Günstige “Wohnungen für Jedermann“ sind also nicht vorgesehen.

Auf die Frage, ob die Universitätsgemeinde für ihren Studierenden plant, weitere öffentliche Parkflächen zur Verfügung zu stellen, antwortet der damals noch amtierende Bürgermeister Günter Heyland: „Die Gemeinde Neubiberg sah und sieht sich nicht in der Aufgabe oder Pflicht den Studierenden Parkplätze zur Verfügung zu stellen“. Die Wiesen neben dem sogenannten „San-Parkplatz“ sind, laut Heyland, im Besitz von privaten Unternehmen und diese planen dafür den Bau von Bürogebäuden. Eine Nutzung als Parkplatz wäre für die Privatunternehmen nicht wirtschaftlich. Heyland  weist zudem darauf hin, dass bereits Carsharing-Dienste und in Zukunft auch E-Tankstellen zur Verfügung gestellt werden. Doch verschärft sich, gerade durch die Bereitstellung der E-Tankstellen, die Parkplatzproblematik nicht noch mehr?

Für das Jahr 2020 prognostiziert der Bürgermeister steuerliche Einnahmen in Höhe von 28.526.100 Euro. Geplant sind für die Zukunft Generalsanierungen von Bürgerhaus, Rathaus und den gemeindeeigenen Wohnungen. Das Rathaus soll zusätzlich eine Tiefgarage erhalten und ein Seniorenzentrum und acht Seniorenwohnungen sollen neu entstehen. Für die Neubiberger Jugend ist der Neubau eines Jugendtreffs angedacht. Speziell für die Öffentlichkeit werden Fußgänger- und Fahrradstraßen sowie Unterführungen gebaut.
Bauvorhaben, von den die Studierenden direkt profitieren, sind nicht vorgesehen.

Schlussfolgernd kann man also erkennen, dass zum einen der Anteil der gemeldeten Studierenden gar nicht so groß ist, wie man vermuten würde und das zum anderen viele Projekte der „einzigen Universitätsgemeinde Deutschlands“ nicht darauf schließen lassen, dass es sich hier um eine Universitätsgemeinde handelt. Die Gemeinde treibt zwar gesellschaftlich relevante Projekte weiter voran, um den Ort Neubiberg interessanter und sehenswerter zu machen - jedoch tut sich im Bereich Universität, in den nächsten Planungen, leider nicht viel. Zudem bestärken Aussagen wie „Die Gemeinde sah und sieht sich nicht in der Aufgabe oder Pflicht den Studierenden Parkplätze zur Verfügung zu stellen“ unser Gefühl, dass unsere Wünsche weiter lediglich hintenanstehen.

Ob sich diese Wünsche dennoch erfüllen? Am 1. Mai 2020 wird der neu gewählte Bürgermeister Thomas Pardeller (CSU) die Amtsgeschäfte Neubibergs übernehmen. Vielleicht ist das ja der berühmte Lichtstreifen am Studierenden-Horizont.

Tamara Simon, Listenkandidatin aus unseren Reihen. Hier ihr Statement dazu:

Tamara Simons - Listenkandidatin und Soldatin

„Ich bin seit 2016 an der Universität, und nach langjährigem Engagement innerhalb der Universität, habe ich mich entschlossen eine Liste bei der Kommunalwahl in Neubiberg zu unterstützen. Ich erhoffe mir, dass mit mehr Engagement der Studierenden, in der Gemeinde die Zusammenarbeit und Kommunikation in Zukunft besser wird. Unsere Universitätsgemeinde ist mit über 14000 Mitgliedern bereits sehr groß, davon sind ca. 3000 Studierende. Das ist ein Anteil, der meiner Meinung nach auch gehört werden sollte. Wir geben den Studierenden eine Stimme und können, Probleme, Wünsche und Anregungen direkt aus unseren Reihen an die Gemeinde weitergeben. Ein großes Problem ist die derzeitige Parkplatzsituation in und außerhalb der Universität. Ich glaube, dass wir mit einem Engagement aus eigenen Reihen viel zu Gunsten der Studierenden verändern können. In wie weit wir uns aber einbringen können, entscheidet die Kommunalwahl im März.“

Fotos: Angelique Reimers

 

 

 
Albtraum Parkplatzssuche - eine Odyssee
 
 

 
Redaktion

 

 
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