Zoo Augsburg in der Corona-Krise

Wie ihr Zoo ums Überleben kämpft und welche Hoffnungen trotz der Corona- Krise bestehen, berichtet Barbara Jantschke, die Direktorin des Augsburger Tierparks im Interview.

Ausgangsbeschränkungen und die damit einhergehenden Umsatzeinbußen treffen vor allem diejenigen, die auf Besucherzahlen dringend angewiesen sind. Von dieser prekären Situation ist auch der Zoologische Garten in Augsburg betroffen. „Im Jahr 2020 hatten wir 77 Tage ohne Beschränkungen geöffnet“, so Jantschke. Dabei fiel der Großteil dieser Zeit in die absatzschwachen Wintermonate. Besonders schwer hat die rund 60 Mitarbeiter der erste Lockdown im Frühjahr getroffen. Die Osterzeit gilt als umsatzstark und wichtig, um genügend finanzielle Reserven für die kommenden Wintermonate zu sammeln.

Tierpflege auf Abstand
Zusätzlich zu den ausbleibenden Einnahmen sind Sparmaßnahmen nur eingeschränkt möglich. Der Großteil des Personals setzt sich aus Tierpflegern zusammen, die auch während des Lockdowns in Vollzeit arbeiten müssen. Aufgrund dessen ist die Angst vor auftretenden Infektionen groß. Ein Ausbruch in der Belegschaft hätte schwerwiegende Auswirkungen, die wiederum auch das Wohl der Tiere nachhaltig gefährden würden. Um dieses Risiko zu minimieren, wurden umfangreiche Maßnahmen getroffen, die vor allem die Abstandsregelungen sicherstellen sollen. 

„Unsere Mitarbeiter machen super mit und sind sich auch den Folgen eines Ausbruchs bewusst.“ sagt Jantschke. Trotzdem ist der Wunsch nach baldigen Lockerungen groß. Wie auch im vorherigen Jahr ist der Zeitraum über Ostern am umsatzstärksten und für das weitere Bestehen des Augsburger Tierparks von existenzieller Bedeutung.

„Wenn ich mich auf die Regierung verlasse, bin ich verlassen.“
Leider ist der Zoo von jeglicher Hilfe, die die Wirtschaft bekommt, ausgenommen. So war der Augsburger Zoo von Überbrückungshilfe I und II ausgeschlossen und auch bei der dritten Überbrückungshilfe sieht es schlecht aus. „Wir haben ein bisschen November- und Dezemberhilfe bekommen, was aber natürlich lachhaft ist, weil das vom Umsatz berechnet wird. Genau das sind die Monate, an denen wir am wenigsten Umsatz haben.“ Wäre diese finanzielle Hilfe für März und April gewesen „hätte ich darüber anders geredet, aber November und Dezember, nützt uns nicht sehr viel.“, so die Direktorin.

Doch die Augsburger wissen ihren Zoo zu schätzen und spendeten fleißig. „Wir kriegen unheimlich viel Spenden von Privatpersonen. Seien es jetzt Geldspenden als auch über die Übernahme von Patenschaften.“ Die Anzahl der Patenschaften für die Zootiere hatte sich im letzten Jahr verdoppelt. Den Rückhalt aus der Bevölkerung weiß Frau Jantschke sehr zu schätzen: „Wir kriegen immer wieder Anrufe, warum wir noch geschlossen haben. Da kann ich nur sagen, ich verstehe es auch nicht.“

 

Not macht erfinderisch und so gab es letztes Jahr ein virtuelles Ticket im „Zoo-Retter Shop“ in dem auch andere Fanartikel zu finden sind. Davon geht ein bestimmter Betrag an den Zoo. Aber mehr als nur über das Geld freut sich Frau Jantschke darüber, dass die Bewohner Augsburg den Zoo so tatkräftig unterstützen. Leider ist das Geld aus dieser Quelle nur „ein Feigenblatt, ein Tropfen auf dem heißen Stein.“

Auf die Frage, warum der Zoo nicht wieder öffnen kann, hat Frau Jantschke keine Antwort. Kein Zoo in Berlin hatte jemals schließen müssen und immer mehr Bundesländer öffnen ihre öffentlichen Attraktionen wieder. Viele, doch nicht Bayern. „Diese Frage kann nur Herr Söder beantworten. Ich denke, es wird über einen Kamm geschert: ‚Freizeiteinrichtungen sind geschlossen‘. Aber da wird nicht unterschieden welche Freizeiteinrichtungen.“

Im Podcast berichtet Barbara Jantschke ausführlich über die Unterstützung durch die Bevölkerung, gibt Einblicke in den Arbeitsalltag und beschreibt, wie sich auch das Verhalten der Zootiere aufgrund von Corona verändert hat.
 

 

 
Die Direktorin des Augsburger Zoos Barbara Jantschke im Interview.
 
Auch für den Zoobesuch gilt: Maskenpflicht. Bild: Bernd Hohlen, Augsburger Allgemeine
 

 
Redaktion

 

 
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