Zwischen Ausprobieren und Scheitern

Wie das SZ-Jugendmagazin jetzt mit Snapchat und Instagram arbeitet
„Ist Snapchat eher ein Medium auf dem man ‚quatschige’ Sachen machen sollte?“ mit dieser Frage befasst sich Valérie Müller bei der Implementierung der jetzt-Redaktion in die Social-Media-Plattform Snapchat. Für viele Jugendliche ist die Nutzung von Snapchat schon ganz alltäglich. Aber wie kann eine Redaktion auf diesem Kanal bestehen?

Valérie Müller ist seit rund einem Jahr als Redakteurin für den Bereich Social-Media beim Jugendmagazin jetzt der Süddeutschen Zeitung Digitale Medien GmbH tätig. Sie startete das Projekt der Redaktion auf Snapchat. Mitte Juni berichtete sie im Journalistischen Kolloquium „Fotos im Journalismus“ des Masterstudiengangs "Management und Medien" mit Schwerpunkt Journalistik von den Herausforderungen, die die Redaktion bewältigen musste.

Experimentieren und Scheitern ist erlaubt!

Für Valérie Müller lag die größte Herausforderung während der Experimentierphase darin, herauszufinden, was die Zielgruppe des Kanals primär sehen wollte. Immer wieder stellte sie sich die Frage, ob reine Fakten über das aktuelle Geschehen in der Welt überhaupt Anklang bei den Rezipienten finden würden, oder ob es sinnvoller wäre, eher witzige, unnütze und unterhaltende Inhalte zu veröffentlichen.

Eine Frage war jedoch schnell geklärt: Die Storytellingfunktion der Plattform sollte genutzt werden. Kurze Videos, die durch Emojis und Filtereffekte zur Unterhaltung beitragen und das Snapchat-Verhalten der Zielgruppe wiederspiegeln. Videos müssen „menscheln“. Dies lernt man in den ersten Vorlesungen des Studiengangs und genau vor dieser Problematik stand die Redaktion. Wer sollte das Gesicht hinter dem Snapchat-Account von jetzt werden?

„Du kannst keinen zwingen vor die Kamera zu treten!“

Wenn man niemanden explizit zwingen kann, dann zwingt man einfach jeden, es einmal auszuprobieren. Jeder in der Redaktion durfte sich daran versuchen, Storys über den Redaktionsalltag zu produzieren oder einfach mal während der Recherche zu einem Beitrag nebenbei snappen. Ebenso wurden Künstler, die beim PULS-Open-Air-Festival auftreten, von jetzt zum Snappen für die Redaktion gewonnen. Und auch Gewinner von Ausschreibungen erhielten kurzzeitig die Gewalt über den Snapchat-Account der jungen Redaktion. Ziel war es, die Follower des Accounts in das Leben der Redaktion und der Redakteure mitzunehmen.

Sehenswerte Storys entstanden. Aber Snapchat hat einen Haken. Nach der Veröffentlichung der Beiträge werden diese nur 24 Stunden im Netzwerk zum Abruf bereitgestellt. Die Plattform hat das Problem selbst erkannt und bietet seit kurzem die Funktion Discover an. Über Discover können Medienunternehmen Snapchat professionell nutzen - mit deutlicher mehr Gestaltungsmöglichkeiten als über die Story-Funktion. Über eine vertragliche Kooperation erhalten Medienunternehmen Zugang zu einem speziellen Content-Management-System, über das sie die professionellen Geschichten bestücken. Gegenwärtig nutzen zum Beispiel Bild und  Spiegel online Snapchat Discover.

Nach der Testphase: Umstieg von Snapchat auf Instagram

Die technischen Nachteile überwogen und jetzt entschied sich, auf einen anderen Kanal auszuweichen: Instagram. Instagram bietet eine Kombination der Funktionen von Facebook und Snapchat, zeigt sich jedoch stärker von Bild bzw. Video geprägt.

Weil sich die Redaktionsmitarbeiter mit Instagram schon vorher besser auskannten als mit Snapchat, verlief die Implementierung dieser Plattform ohne weitere Probleme. Instagram-Storys und Fotos befüllen seit diesem Zeitpunkt den Account der Redaktion. Produziert wird der Content für die Timeline vom Social-Media-Redakteur. Und freie Autoren nehmen die Nutzer zum Beispiel über die Instagram-Story-Funktion mit zu ihren Recherchen, wenn es sich anbietet. Die Reaktionen sind positiv und die Anzahl der Abonnenten steigt.

Instagram-Account von jetzt (https://www.instagram.com/jetzt_de/)
Screenshot vom 05.07.2017

„Der Spaß ist Faktor Nr. 1“, betonte Müller. Dies spiegele der Instagram-Account der Redaktion wieder. Einzelne Themengebiete böten umfangreiche Informationen, aber auch unnützes Wissen oder einfachen unterhaltsamen Inhalt würden veröffentlicht.

Schaut mal vorbei und macht Euch selbst ein Bild der Arbeit des Jugendmagazins auf Instagram!

 
Valerie Müller (Foto: privat) und "jetzt-de"-LogoValerie Müller, Social-Media-Redakteurin bei jetzt (Foto: privat)
 

 
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